Am 19.01.1837 starb Professor Samuel Gottlieb Vogel. Dem Rostocker Universitätsprofessor, Leibmedicus, später Hofmedicus und Geheimrat am Mecklenburgischen Hof in Schwerin verdanken wir Heiligendamm. Er war es, der 1793 dem Herzog von Mecklenburg-Schwerin vorschlug, eine Badeanstalt an der Ostsee zu errichten. Herzog Friedrich Franz I. war angetan von der Idee und den monetären Möglichkeiten und so folgte er dem Vorschlag Vogels, eine Seebadeanstalt in Doberan zu errichten. Sechs Meter Höhenunterschied führten zu einem Scheitern des Versuches, Ostseewasser nach Doberan zu pumpen. Zum Glück, denn nun setzte sich Prof. Vogel dafür ein, die Badeanstalt direkt am Strand des Heiligen Dammes zu bauen. Aus Schilderhäuschen wurde schließlich ein Badehaus und drei bedeutende und viele weitere engagierte Baumeister – Seydewitz, Severin, Demmler, Möckel, Stern, Willebrandt, Ratshagg – machten das erste Seebad auf dem europäischen Festland zu der Weißen Stadt am Meer, wie wir sie heute kennen. Ohne den rührigen Professor aus Erfurt wäre das alles nie passiert. Ihm verdanken wir die heute noch gültigen Baderegeln und jede Menge interessanter Annalen, die nicht nur Historikern ein seeliges Lächeln abgewinnen. Die Ostsee-Zeitung widmet heute von Geschichts-Kenner Peter Gerds einen Artikel dem 175. Todestag jenes Mediziners, der seiner Zeit voraus war und der ein damals ungewöhnliches Alter von 87 Jahren erreichte – Dank Heiligendamm?
Important!
Ostsee-Zeitung vom 19.01.2012
Heute vor 175 Jahren starb Samuel Gottlieb von Vogel
Der eigentliche Gründer des ersten deutschen Seebades Heiligendamm fand seine letzte Ruhestätte in Doberan.
Im Laufe seines Lebens als Arzt und Gelehrter wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil.
Von Peter Gerds
Heiligendamm – Vor 175 Jahren – am 19. Januar – starb Samuel Gottlieb von Vogel (1750 bis 1837), Ideengeber für das erste deutsche Seebad in Heiligendamm. In einem zeitgenössischen Nachruf hieß es: „Er war ein redlicher Mann . . . ein treuer Freund. Eingedrungen in die innersten Tiefen seiner Wissenschaft, leistete er Ausgezeichnetes als Arzt, als Lehrer und als Schriftsteller; verschmähte es aber nie, von Andern zu lernen.
Uneigennützig half er gern den Leidenden. Sein Tod ist ein Verlust für die Wissenschaft und für die Menschheit.“ Vogel wurde in Erfurt in einer
Gelehrtenfamilie geboren, studierte Medizin in Göttingen, promovierte dort und ging nach Ratzeburg, später nach Lauenburg. Einem Ruf, den Lehrstuhl der Medizin an der Universität Paris einzunehmen, folgte Vogel nicht; dafür nahm er dann 1789 das Angebot von Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin an, der ihn zum Hofrat beförderte, „als Ordentlicher Professor der ArzneiGelahrtheit“ an der Universität Rostock zu lehren.
In der alten Hansestadt heiratete Vogel sieben Jahre später Dorothea von Bassewitz aus Güstrow. Prof. Dr. Vogel war zu jener Zeit bereits in Deutschland und darüber hinaus bekannt geworden durch sein „Handbuch der praktischen Arzneiwissenschaft“ in fünf Bänden, in dem er sich bereits ausführlich mit der Meeresheilkunde befasst hatte.Vogel beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte der Seebäder, besuchte mit Fachleuten Brunnen- und Badeorte in nah und fern und machte eine Reihe von Vorschlägen zur Errichtung von Badeeinrichtungen an der Ostsee in Heiligendamm. Damit überzeugte er den Landesherren, und zwar nicht nur mit Argumenten der medizinischen und humanitären Bedeutung eines solches Seebades, sondern vor allem wohl dadurch, dass sich wirklich große finanzielle Einnahmen erwirtschaften ließen.
1793 war es dann soweit, und bereits ein Jahr später – das Vorhaben war mittlerweile in der deutschen Presse mehrfach abgehandelt worden – kamen über 300 Badegäste und waren voll des Lobes. Vogel hatte aus medizinischen Gründen angeregt, unbekleidet zu baden. Aber konnte man zu jener Zeit im „Adamskostüm“ ins Wasser kommen? Die aus England bekannten Badekarren kamen wegen des steinigen Heiligendammer Strandes nicht in Frage. Statt dessen ließ Vogel auf Vorschlag des Rostocker Schiffbaumeisters Badeboote bauen, von denen man im offenen Meer über eine Treppe in das Wasser stieg. Vogel publizierte seine Erkenntnisse und Erfolge in einer Vielzahl von Schriften wie „Ueber den Nutzen und Gebrauch der Seebäder“, „Ueber die Seebadecuren in Doberan“, „Annalen des Seebades“, „Zur Nachricht und Belehrung für die Badegäste in Doberan“. Fast jedes Jahr wurden umfangreiche medizinische Berichte veröffentlicht, und ebenso machte Vogel mit neuen Heilverfahren und den unterschiedlichsten Behandlungsmethoden bekannt 1797 wurde Vogel zum Leibmedicus des nunmehrigen Großherzogs ernannt und als Badearzt angestellt.
Als solcher war er regelmäßig unter den Kurgästen zu finden, hielt Sprechstunden ab und stand gleichwohl zu Konsultationen zur Verfügung. Er wusste aber ebenso, dass das Seebad für „eine Menge Krankheitsfälle durchaus nichts tauge“. Wenn es einer Kur dienlich war, wurden den warmen Seebädern verschiedene Zusätze beigefügt wie etwa Seife, Laugensalz, Chinarinde oder aromatische Kräuter. Milchkuren mit Eselsmilch, bereits in der Antike bekannt, kamen auch in Heiligendamm aus diätischen Gründen zum Einsatz. Um schnell an die notwendigen Medikamente, Kräuter und Tinkturen zu gelangen, hatte Vogel in Doberan eine Apotheke einrichten lassen. Schließlich war Prof. Vogel dafür bekannt geworden, dass er auf vielfältigste Art und Weise den wissenschaftlichen Austausch von Gedanken und Erfahrungen beförderte.
So blieben hohe und höchste Ehrungen nicht aus. Friedrich Franz I. verlieh ihm den Titel „Geheimer Medizinalrat“, der König von Bayern erhob ihn wegen der Verdienste in den Adelsstand und der König Friedrich Wilhelm von Preußen ehrte ihn mit dem Roten Adlerorden. Der „Vater des deutschen Seebades“, Mitglied vieler deutscher und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften, erkrankte Anfang 1837 im 87. Lebensjahr an Grippe und starb bald darauf. Seine letzte Ruhestätte fand der hochgeachtete Mediziner in Doberan.

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