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Feb 02 2012

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Kino-Betreiber Kretschmar: „Enttäuscht von der Politik“

Ist das Kamp-Theater ein inszeniertes politisches Bühnenstück? Es scheint, ja: Zuerst wollte keiner das Kino retten, dann wollten es einzelne Stadtvertreter und nachdem ein bestimmter es in die Hand nahm, wollte wieder keiner das Kino retten. Eitelkeit und Selbstinszenierung spielen die größte Rolle in der Provinzposse “Kino-Rettung”. Aber ganz von vorn:

Als Kino-Betreiber Alfred Mielke 2011 seinen Rückzug bekannt gab, fanden sich gleich zwei Interessenten für das Doberaner Kino: Das Rostocker Lichtspieltheater “Wundervoll” – kurz “LiWu” bekundete Interesse, weil es seine Rostocker Räumlichkeiten räumen muss und der Kühlungsborner Kinobetreiber Peer Kretzschmar meldete ebenfalls Interesse an. Gehandelt wurden lange beide aber Favorit war immer Kretzschmar, sodass LiWu sich Ende 2011 zurück zog, weil es keinen Rückhalt mehr sah. Mit der Folge, dass es nun gar keine Räumlichkeiten mehr hat und wenn sich in Rostock keine mehr finden, schließen muss.

Aber auch Kretzschmar wird nicht mit Hilfe überschüttet. Seine Bedingungen waren von Anfang an klar: Die Stadt muss ihm helfen, die Digitalisierung zu finanzieren und er benötigt ein Darlehen als Anschub. Stadtvertreter aus fast allen Parteien sagten ihre Hilfe zu, rannten danach in alle möglichen Richtungen und kamen nicht mehr zurück. Einer von ihnen erkannte die Chance, sich hier als Kino-Retter zu profilieren und zugleich den anderen Stadtvertretern eines auszuwischen. Wenn das zum Ziel geführt hätte, wäre es vielleicht auch in Ordnung aber der FDP-Mann wollte für diese Selbstinszenierung zuerst einen Verein gründen und darüber Geld einsammeln. Als klar wurde, dass dieser Verein sich nicht auf die Schnelle ins Leben rufen lässt und auch nicht in der Lage sein wird, binnen eines halben Jahres fast 50.000 benötigte Euro aufzubringen, wollte derselbst FDP-Mann – die Rede ist von Harry Klink – die Stadtkasse und den städtischen Etat um 45.000 Euro erleichtern, um das Kino zu retten und selbst als Retter da zu stehen.

Zuerst erschien das ganz aussichtsreich, denn auch wenn Klink die Sache angeleiert hat, wären am Ende alle Stadtvertreter Kino-Retter. Ganz so einfach war die Entscheidung für die Stadtvertreter dann aber doch nicht. Erstens mag kaum einer von ihnen Harry Klink und möchte ihm nicht noch mehr Möglichkeiten der Selbstinszenierungen in die Hand geben und zweitens ist das Kino ein Wirtschaftsbetrieb und wenn die Stadt dort 45.000 Euro hinein pumpt, kommt sie in Erklärungsnot.

Hier zeigt sich dann auch wieder, wer Ein-Themen-Partei ist. Als das Land Mecklenburg-Vorpommern für das Grand Hotel Heiligendamm eine Bürgschaft übernahm, gab es ein riesiges Geschrei. Unter anderem der komplette Bürgerbund, die Linke-Fraktion und am Lautesten FDP-Ortschef Harry Klink schossen monatelang im Dauerfeuer gegen das Grand Hotel und Schwerin. Wohl gemerkt: Hier ging es um eine Bürgschaft – nicht um fließendes Geld. Heute aber geht es um fließendes Geld, das der klammen Stadtkasse entnommen werden soll und das woanders wieder fehlt – in Schulen, Kindergärten, Vereinen und Kulturstätten. Hier aber gibt es kein Geschrei.

Dabei ist der Griff in die Stadtkasse zu Gunsten eines Gewerbebetriebes verheerend. Nicht nur, weil das Geld woanders fehlt, sondern auch, weil dann jeder in Not geratene Betrieb der Stadt vom kleinen Händler bis zum Großbetrieb an die Rathaustüre klopfen wird und um Geld bitten. Wie soll man denen erklären, dass sie kein Geld kriegen, das Kamp-Theater aber unterstützt wird?

Ein klares “Nein” wäre die bessere Variante gegenüber einer Verschiebung. Die Verschiebung wird Harry Klink wieder nutzen, um seine Kollegen zu beschimpfen. Das “Nein” hingegen wäre erklärbar gewesen.

Important!

Ostsee-Zeitung vom 02.02.2012:

Kino-Betreiber Kretschmar: „Enttäuscht von der Politik“
Rettung wird immer unwahrscheinlicher. 

Bad Doberan – Peer Kretschmar fällt es schwer, seine Gefühlslage in Worte zu fassen: Enttäuscht sei er. Mehr als das. Von der Bad Doberaner Politik. Der Betreiber des Kinos in Kühlungsborn hatte damit geliebäugelt, das bedrohte Lichtspielhaus in der Münsterstadt zu übernehmen. Doch ohne Hilfe der Stadt gehe das nicht. Und die sei nicht in Sicht.

Dabei hätten die Stadtvertreter bereits am Montagabend die Weichen stellen können: Ein Antrag der FDP lag auf dem Tisch. 25 000 Euro für digitale Film-Technik und 20 000 Euro als Darlehen sollte die Stadt dem Kühlungsborner zur Verfügung stellen. Doch die Politiker hielten es nicht für nötig, das Thema auf die Tagesordnung zu heben. „Und davon bin ich so richtig enttäuscht“, sagte Kretschmar gestern der OZ. „Die Politiker haben nicht einmal auf den Antrag reagiert.“ Hätten sie beraten und eine Entscheidung vertagt, oder hätten sie gleich „Nein“ zu städtischen
Hilfen für das Lichtspielhaus gesagt – „ich hätte das verstanden“, so Kretschmar. „Das wäre wenigstens ein klares Wort gewesen.“

Ursprünglich hatte er geplant, zum März den Mietvertrag des Kinos zu übernehmen. „Aber das ist nicht mehr zu halten.“ Denn ohne Anschub-Darlehen und ohne neue Technik gehe es nicht. „Ich brauche die Hilfe der Stadt“, sagt er. Kretschmar will nun den Kontakt zur Politik suchen: „Denn die Zeit drängt. Und sonst gehen im Kino endgültig die Lichter aus.“

Auch FDP-Fraktionschef Harry Klink kritisierte seine Stadtvertreter-Kollegen im Nachgang scharf:  „Das Kino in Bad Doberan ist verloren“, schreibt er. am

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