Apr 20 2012

Nase voll: Kino-Interessent Kretzschmar springt ab.

Über ein Jahr ist es her, als der Kühlungsborner Kinobetreiber Peer Kretzschmar die Übernahme des Bad Doberaner Kamp-Theaters verkündete. Mit Hilfe der Stadt bei der Modernisierung des Gebäudes und der Einführung der Digitaltechnik wollte er das aus gesundheitlichen Gründen des Betreibers inzwischen geschlossene Kino retten. Die Stadtvertreter liefen in verschiedene Richtungen, fanden wieder zusammen aber man fand nicht zueinander: Soll die Stadt einen Gewerbebetrieb retten, nur weil er für den Tourismus der Münsterstadt wichtig ist? Und wie schwer ist “wichtig” gemessen an den anderen Lokalitäten, die für den Tourismus nicht weniger wichtig sind? Während die einen sich mit diesen rationalen Fragen beschäftigen, ist die Kino-Schließung ein gefundenes Fressen für all jene, die sich profilieren wollen.

Heiligendamm funktioniert nicht mehr: Wer hier mit dem Finger auf andere zeigt, bekommt ganz viele Zeigefinger zurück, denn zu offensichtlich ist, dass Bürgerbund und FDP auf Polzins versäumten Negativattest reiteten und damit das Grand Hotel möglicherweise ruinierten, zumindest aber der ECH die Unterstützung des Hotels unmöglich machten.

Kino-Rettung ist Politikum.

Der Verlust des Kinos ist eine willkommene Abwechslung für alle, die regelmäßig in den Zeitungen erscheinen wollen. Ob das auch die Intention von FDP-Ortschef Harry Klink ist, weiß man nicht aber er steht mit der Kino-Diskussion in enger Verbindung. Er und Parteifreund Tom Wosar kämpfen für die Rettung des Kinos. Bisher ohne Erfolg, denn da sind ja noch die Rationalisten, die wissen, dass die Stadt keinen Gewerbebetrieb unterstützen kann, weil ihr die Kommunalaufsicht einen Strich durch die Rechnung machen würde.

Wider den Tatsachen: Kino-Problem taugt zur Selbstinszenierung. 

Aber was interessieren Tatsachen? 25.000 Euro aus der Stadtkasse für die Digitalisierung und noch einmal 20.000 Euro als Darlehen, auch aus der Stadtkasse – das sollte der Preis für die Rettung des Kinos durch die beiden FDP-Leute sein. Die Stadtvertreter jedoch wollten das nicht, zuletzt sollte eine Genossenschaft her. Diese würde sehr gut dazu taugen zu sehen, wem es ernst um die Kino-Rettung ist, denn wer das Kino retten will, könnte das am Besten durch einen Eintritt in die Genossenschaft tun.

Beteiligte brauchen Klarheit: Ein Grundsatzbeschluss muss her.

Grundsätzlich bedarf es aber eines Grundsatzbeschlusses, ob die Stadt überhaupt das Kino retten will, erst dann kann man sich zusammensetzen und über Einzelheiten reden. Diese Feststellung wurde in der letzten Ausschusssitzung zwar von Stadtvertreter Frank Pieplow (fraktionslos, angetreten für das BfBD) gemacht aber es wurde nichts unternommen, um einen gemeinsamen Grundsatz zu beschließen.

Stadt hat eigentlich keine Mittel und kaum Möglichkeiten.

Stadtvertreter Jochen Arenz (parteilos) macht klar: Für 2012 gibt es noch keinen Haushalt und wenn dieser beschlossen wird, dürfte er defizitär sein, sodass eine Unterstützung des Kinos kaum gerechtfertigt werden kann. Schwierig ist auch, überhaupt einen Gewerbebetrieb zu unterstützen.

Damit hängt das Kino weiter in der Warteschleife und  Betreiber Peer Kretzschmar muss einsehen, dass die Lokalpolitik nicht in der Lage ist, sich hier zeitnah zu einigen. Hinzu kommt, dass die Stadt einen neuen Interessenten prüft (der sich in besagter Ausschusssitzung vorstellen durfte), sodass Kretzschmar nicht mehr alleiniger Favorit, sondern wieder in die Rolle der Interessenten abgerutscht ist.

Auch der Hauseigentümer braucht Klarheit.

In der Ostsee-Zeitung vom 20.04.2012 wird auch darauf verwiesen, dass der neue Betreiber die Sanierung des Hauses stemmen müsste und damit überfordert wäre. Nachvollziehbar ist das nicht: Das Haus gehört dem Bad Doberaner Hugo Rauchstädt und der ist allein verantwortlich für doe Sanierung. Lediglich für die Mietsachen – also Wohnungen, Gewerbeflächen und eben das Kino – sind die Mieter selbst verantwortlich. Wenn die Stadt helfen könnte, dann bei der Renovierung des Kinos, nicht des Hauses. Wobei es Rauchstädt auch daran gelegen sein dürfte, wieder ein Kino in die dafür nun einmal umgebaute Mietfläche zu bekommen, sodass er eigentlich selbst etwas für die Renovierung tun könnte. Aber auch er braucht dazu Gewissheit, dass das Kino auch eröffnet und läuft – auch Rauchstedt braucht einen Grundsatzbeschluss der Stadtvertreter.

Kretzschmar gibt auf und zieht sich zurück.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht macht es sicherlich keinen Sinn, an einem ungewissen Projekt festzuhalten und dafür ein bestehendes zu vernachlässigen. Kretzschmar zog die logische Konsequenz und gibt den Standort Bad Doberan auf, löst die Gewerbeanmeldung auf, zieht den Fördermittelantrag zurück und schließt damit das Kino offiziell wieder,

Für den nächsten Interessenten bedeutet dies, dass er das Kamp-Theater nicht übernimmt und weiterführt, sondern neu eröffnet. Dafür gibt es dann keine Fördergelder, was den Neuanfang wieder schwerer macht.

Gibt es noch eine Rettung?

Eigentlich schon: Die Stadt muss sagen, ob sie das Kino haben will und was sie dafür zu tun bereit ist. Das Mindeste, was die Stadt tun kann, ist ähnlich wie bei der WIG Wohnungsgenossenschaft sich an einer Kino-Genossenschaft zu beteiligen. Klingt einfach aber auch diese Mittel müssen in den Haushalt eingestellt und begründet werden, besonders wenn zugleich Vereinen, Kindergärten und Schulen Mittel gestrichen werden.

Die Genossenschaft wäre auch eine Möglichkeit, um Unternehmer am Kino zu beteiligen, die dann vergünstigt oder kostenlos im Kino werben dürfen und auch Privatpersonen könnten Genossenschaftler werden, indem man ihnen Vergünstigungen gegenüber den normalen Besuchern gewährt. Selbst Schulen und Kindergärten könnten sich mit festen Beträgen an der Genossenschaft beteiligen und dafür vom Kino profitieren. Kino-Vergünstigungen sind auch für Kurkliniken und Hotels interessant, die über ihre Genossenschaftsanteile Vergünstigungen erlangen und diese an ihre Gäste weiter geben können.

Das Ganze muss natürlich gut kalkuliert werden, denn Ziel der Vergünstigungen muss sein, die Besucherzahlen zu erhöhen und oben zu halten. Zusammen mit guten Marketinginstrumenten, wie Kino-Flatrates, Familientage und Sonderangeboten kann auch ein Kleinstadt-Kino erfolgreich sein. Wenn man es denn lässt und aufhört, sich auf dem Rücken der Interessenten zu profilieren.

 

Mehr Informationen
in der Ausgabe der Ostsee-Zeitung vom 20.04.2012:
http://www.ostsee-zeitung.de/doberan/

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Apr 16 2012

Ihre Stimme für das Doberaner Münster: Für eine faire Weltkulturerbe-Bewerbung!

Kultusminister Brodkorb macht sein Ding und das heißt: “Das Schweriner Schloss durchboxen.” Es geht um das Weltkulturerbe, für das Mecklenburg-Vorpommern zwei Vorschläge im eigenen Land einreichen darf. Nach der Aufnahme der Altstädte von Wismar und Stralsund und den Buchenwäldern im Jasmund-Nationalpark ist klar, dass das Bad Doberaner Münster mit seiner 825jährigen Geschichte und den einzigartigen gut erhaltenen hochgotischen Kunstwerken gute Chancen für eine Weltkulturerbe-Bewerbung hat. 

Offenbar so gut, dass man in Schwerin um die Bewerbung des  um 1500 errichteten und in seiner Form erst ab 1857 vorhandenen Schlosses fürchtet. Der Minister will die Möglichkeit der zwei Vorschläge nicht ausschöpfen, sondern nur das Schweriner Schloss ins Rennen schicken, weil er Konkurrenz durch das Doberaner Münster befürchtet. Um also in Schwerin beliebt zu sein, klinkt der erst 2011 zum Minister gewordene Sozialdemokrat die Wiege der mecklenburgischen Christianisierung einfach aus. Das Münster ist nach dem Erstversuch in Althof wahrscheinlich das zweitälteste profane Bauwerk Mecklenburgs – also die Grundlage dessen, was später in Schwerin und Ludwigslust entstand (wohin übrigens auch Steine in Bad Doberan abgerissener Klosterbauten gingen).

Die Ostsee-Zeitung hat eine Aktion ins Leben gerufen, um Fairness bei der Klosterbewerbung zu erlangen. Aus der heutigen Ausgabe finden Sie hier die Postkarte, die das Medium vorbereitet hat, ansonsten können Sie auch online abstimmen: http://www.ostsee-zeitung.de/doberan/

Meine Stimme für das Doberaner Münster
Helfen Sie mit!

1. Stimmen Sie selbst ab. 

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4. Erzählen Sie Freunden, Verwandten, Bekannten und Kollegen von der Aktion.

5. Drucken Sie die Karte aus und verteilen Sie sie oder lassen Sie sie ausfüllen und werfen Sie sie bei der OZ ein oder schicken Sie sie dorthin.

Neue Infos zum Thema:

http://zeit-am-meer.de/doberaner-munster-ist-im-rennen/

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Apr 14 2012

Zweiter Teil des Bad Doberaner Schulkomplex-Umbaus steht in den Startlöchern.

Vor neun Jahren begannen die Planungen für den Schul-Campus im Herzen der Stadt Bad Doberan. Akuter Geldmangel und Probleme beim Bau verzögerten die Resultate. Erst 2010 konnte die einstige Johannes-R.-Becher-Oberschule als modernes Schulgebäude bezogen werden. Fortan ergab sich ein merkwürdiges Bild am Schwartauer Platz: Neben der architektionisch modernen Schule in hellen rot- und weißtönen mit viel dunkler Glasfassade und ansprechendem Umfeld ragte immer noch der alte Platten-Schulbau der ehemaligen Ernst-Schneller-Oberschule hervor. Nun soll auch dieser graue Fleck verschwinden und zusammen gefügt werden, was zusammen gehört.

Der Schulumbau ist das größte städtebauliche Projekt seit der Wende, das die Stadt selbst stemmen muss. Um als Schulstandort attraktiv zu bleiben und die Anforderungen zu erfüllen, muss Bad Doberan seine Schulen auf den neuesten Stand bringen. Die Erweiterung des Friedrich-Franz-Gymnasiums war der erste Schritt in diese Richtung, die Sanierung der Beruflichen Schule der zweite. Der dritte Schritt ist die Schaffung eines Schulkomplexes, zu deren Lasten die Lessingschule in der Lessingstraße fällt. Der Traditions-Schulstandort wird ca. 2014 aufgegeben und das viel zu kleine Gebäude verkauft. Damit endet auch die unsägliche Ära der Unterbringung von Schülern in einer Containerburg. Zugleich könnte das Gebäude Platz für neue Mietwohnungen schaffen, wenn man es denn will.

Die vierte Stufe der Standortmodernisierung läuft schon seit neun Jahren, musste aber wegen Geldmangel modifiziert und in zwei Teile aufgeteilt werden. Der erste Teil stellt den Umbau der linken der beiden Schulen dar (wofür 3,4 Millionen Euro benötigt wurden) und der zweite Teil den Umbau der rechten Schule und die Angleichung des Umfeldes. Dieser Teil kostet 5,2 Millionen Euro, wobei allein 1,2 Millionen Euro in die Umfeldgestaltung fließen.

Nicht ohne Grund: Hier soll ein offener Campus entstehen, der frei für alle zugänglich ist und auch gleich einen neuen Weg zum ZOB darstellt. Sandkisten und Klettermöglichkeiten, ein offenes Klassenzimmer mit Maltafel sollen entstehen und die lang ersehnte Skaterbahn wird am Schulkomplex errichtet. Hierfür werden die Schuppen zum Sportplatz hin weichen. Eine Tribüne zum Sportplatz hin soll entstehen und der Grundriss der Schule völlig neu gestaltet werden. Auch dieses Gebäude wird um eine Etage verkleinert und ergibt im Gesamtbild den gespiegelten und gedrehten Pendant der bereits fertigen Schule. Farblich ergibt das Ganze eine Einheit.

Die Fördermittel wurden mündlich zugesagt und der Bescheid aus Schwerin wird Mitte Mai erwartet.
Zum Schuljahr 2014/2015 sollen die 269 Grundschüler und 170 Hortkinder das neue Gebäude beziehen können.

 

Plan der Regionalschule Bad DoberanQuelle: Referenzblatt der AIB Bauplanung

http://www.aib-bauplanung.de/Landschaftsplanung.292.html

 

 

Zum vollständigen Artikel in der Ostsee-Zeitung:

http://epaper.ostsee-zeitung.de/dob/2012-04-14/oz.html

 

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Apr 13 2012

Kino weiter in der Warteschleife

Ein neuer Interessent für das Bad Doberaner Kamp-Theater hat sich den Stadtvertretern vorgestellt. Nach einigen Lösungsansätzen fielen diese wieder in die alte Diskussion zurück: Soll die Stadt das Kino retten?

Wie die OSTSEE-ZEITUNG am 13.04.2012 berichtet, wurde in der Kino-Angelegenheit der Sozialausschuss aktiv und lud den Interessenten für das Kino – Torsten Tapken – für ein Forum ein. Eigentlich wäre das Sache des Wirtschafts- und Tourismusausschusses aber im Sozialausschuss sitzen mehrere Lokalpolitiker, die seit Monaten (auf teilweise recht verschiedenen Wegen) die Kino-Rettung versuchen.

Torsten Taapken ist Kultur- und Medienwissenschaftler, hat beim Hinstorff-Verlag, dem Rostocker Volkstheater und einem Kulturmagazin gearbeitet und besitzt die “Galerie für Filmkunst” in Münster. Sein Konzept für das Kamp-Theater: Eine Genossenschaft soll gegründet werden, die das Gebäude kauft und die Stadt sich an der Genossenschaft beteiligt. Der Saal soll nicht nur als Kino, sondern auch für Theater, Kongresse, Lesungen und Vorträge genutzt werden. Taapken möchte verschiedene sehr spezielle Zielgruppen ansprechen, was er durch “Programmkino” realisieren will. Denkbar für ihn ist z.B. Seniorenkino unter dem Motto “Kaffee, Kuchen, Kino” mit alten Streifen aus der DDR. Auch Literaturverfilmungen, eine Zusammenarbeit mit dem Gymnasium oder Voraufführungen des “Polizeiruf” in Zusammenarbeit mit dem NDR hält er für denkbar. Selbst ein Nachspielort für das Filmfest in Schwerin hält er für möglich und weiß auch, dass die Interessen der Touristen und Einheimischen zu beachten sind. Statt ständig neuester Streifen setzt er auf Klasse.

Taapken rechnet dabei vor, dass 250 Plätze für ein Kino allein zu viel sind: 12.000 Besucher hatte das Kino pro Jahr im Durchschnitt. Das sind gerade einmal 230 pro Woche – das Kino kann aber pro Vorstellung (also mehrmals am Tag) je 250 Personen aufnehmen. Während die Technik für den Interessenten als “solide” gilt, fehlt aber auch ihm die Digitalisierung. Der Saal an sich jedoch ist veraltet und müsste umgebaut werden.

Die Ausschussmitglieder waren grundsätzlich nicht abgeneigt, suchten aber nach alter Manier zuerst die Probleme: Das Haus gehört dem Bad Doberaner Hugo Rauchstädt, der laut Bürgermeister Thorsten Semrau das Kino erhalten will. CDU-Ortschef Rolf Kuchenbuch stellte klar, dass man herausfinden muss, ob er das Haus denn auch verkaufen würde. Arnold Scholz (Die Linke) wollte hingegen gleich die Satzung der Genossenschaft sehen, die zu gründen wäre und Harry Klink stellte die Frage, was das alles kostet.

Nach diesen Sachfragen entbrannte erneut ein Streit über die Frage, ob sich die Stadt für das Kino engagieren darf oder ob das Kino ein Wirtschaftsbetrieb ist, der allein klar kommen muss. Ausschussvorsitzender Frank Pieplow beendete diese Diskussion mit der Feststellung, dass die Stadtvertretung einen Grundsatzbeschluss braucht, wenn sie sich engagieren will. Statt diesen gleich als Beschlussvorlage für die Stadtvertretersitzung zu formulieren, ging man erst einmal ohne Ergebnis auseinander. So hängt das Kino weiter in der Warteschleife, weil sich die Stadtvertreter nicht einheitlich für oder gegen die Hilfe durch die Stadt aussprechen wollen.

 

Zum vollständigen Artikel in der Ostsee-Zeitung:

http://epaper.ostsee-zeitung.de/dob/2012-04-13/oz.html

 

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Mrz 31 2012

Skandal: Nichtöffentliche Stadtvertreter-Sitzung soll abgehört worden sein.

Nach DDR-System-Vokabular sind es nun offenbar DDR-Geheimdienstmethoden, die Bad Doberan erschüttern: Die nichtöffentliche Stadtvertretersitzung soll laut BILD vom 30.03.2012 durch Tonaufzeichnungen abgehört worden sein. Stadtvertretervorsteher Guido Lex bestätigt den Verdacht. Besonders schlimm: Nur ein Stadtvertreter oder Rathausmitarbeiter kann das Aufzeichnungsgerät wieder mitgenommen haben. Wo ist das Leck im Rathaus, das den Ruf einer ganzen Stadt ruiniert?

Zuerst die Pressemitteilung von Stadtvertretervorsteher Guido Lex, seines Zeichens Richter am Landgericht Rostock. Lex fiel selbst durch DDR-Jargon wie „Personensperranlagen“ oder „Sperrgebiet“ in Bezug auf die Zäune um das Grand Hotel auf und sieht sich nun mit echter DDR-Mentalität konfrontiert. Es soll kein Stadtvertreter zur Presse gelaufen sein, sondern irgendjemand ein Tonaufzeichnungsgerät während der öffentlichen Sitzung positioniert und nach dieser wieder mitgenommen haben. Das an sich kann aber nur jemand getan haben, der auch in oder nach der nichtöffentlichen Sitzung Zugang zum Ratssaal hatte. Oder jemand hatte das Gerät nach der nichtöffentlichen Sitzung von einer Person mitnehmen und sich geben lassen, die während oder nach der Sitzung Zugang zum Ratssaal hatte. Das aber waren nur die Stadtvertreter selbst, der Bürgermeister, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und vielleicht noch Hausmeister und Putzfrau.

Wer auch immer es war: Sicher ist ihm eine Strafanzeige.


Die Ostsee-Zeitung berichtete zwar am 30.03.2012 in einer Randnotiz von den Pressemitteilungen, sparte aber das Thema „Tonaufnahme“ gänzlich aus und verdächtigte stattdessen die Stadtvertreter selbst (was auch ich so übernommen habe, weil mir die Pressemitteilung nicht vorlag).

FUNDUS-Pressesprecher Christian Plöger sah sich in der Pflicht, die Sache – immerhin hatte die ECH die Zahlen nicht nennen müssen und bei Nennung um Vertraulichkeit gebeten – richtig zu stellen und die Pressemitteilung nebst BILD-Artikel in den Verteiler zu schicken, Dank ihm wissen wir heute, dass nicht die „Petze“ eines Stadtvertreters Ursache für den Skandal ist, sondern eine illegale Tonaufzeichnung. Natürlich kann da immer noch ein Stadtvertreter hinter stecken.

Nachträglich eingefügt: Heutzutage braucht man kein Tonbandgerät mehr, um Gespräche abzuhören. Ein liegen gelassenes Handy reicht aus – man kann damit Gespräche aufnehmen oder einfach vom abgelegten Handy ein zweites Handy anrufen, damit nach draußen gehen und dann dort mit dem Ohr am Hörer lauschen. Oder man ruft das abgelegte Handy an, hat dort den Klingelton ausgeschaltet und die automatische Rufannahme aktiviert und die Verbindung steht. Es muss nur nachher jemand das Handy mitnehmen, um den Beweis zu vernichten. Noch krimineller: Handy eines der in der nichtöffentlichen Sitzung anwesenden Mitglieds “hacken” (offene Bluetooth-Verbindungen findet man heutzutage überall) und dann live aus fremder Hemdtasche mithören. Natürlich geht es auch ganz klassisch per Richtmikrofon oder Tonverstärker im MP3-Player-Format – dazu braucht man nicht einmal das Rathaus betreten, es reicht ein stilles Plätzchen im Lindenhof.

Indem ich Ihnen diese technischen Möglichkeiten aufzeige möchte ich Ihnen zu verstehen geben, wie viel kriminelle Energie hinter dem Vorgang steckt. Gerade die ersten Möglichkeiten machen die Zusammenarbeit des Datenräubers mit einem in der Versammlung Anwesenden nötig. Die anderen Möglichkeiten hingegen zeigen, wie schon ein einfacher Journalist auf der Jagd nach DER Schlagzeile mit entsprechender und im Handel erhältlicher Ausrüstung spionieren kann.

Die Veröffentlichung von Zahlen, die die ECH nicht bekannt geben MUSSTE, sondern es nur um des Friedens willen tat aber um Vertraulichkeit bat, schwächt die Verhandlungsposition der Stadt enorm. Jeder Investor kann der Stadt nun begründetes Misstrauen vorhalten und von ihr besondere Vorkehrungen zur Sicherung der Vertraulichkeit fordern. Auch der Bürgermeister wird sich dreimal überlegen, ob er eine Information, die er den Stadtvertretern geben darf aber nicht muss, überhaupt gibt. Für Hartmut Polzin dürften diese Ereignisse eine Bestätigung sein, dass er richtig damit gelegen hat, den Stadtvertretern nicht alles zu sagen, was er durfte aber nicht musste. Auch die Zurückhaltung der Kaufpreise durch den Alt-Bürgermeister erscheint damit gar nicht mehr so im sclechten Licht. Man sieht ja, as es bringt, den Stadtvertretern die Kaufpreise zu nennen – egal, ob sie nun etwas für die Veröffentlichung können oder nicht.

Der Lauschangriff wird zur Folge haben, dass der Vorstoß, Bild- und Tonaufnahmen während der Stadtvertretersitzungen zu erlauben, auf Gegenargumente stößt. Damit wird die Informationsfreiheit weiter eingeschränkt und einige Stadtvertreter dürfen sich weiterhin öffentlich ungesehen profilieren. Schlimmstenfalls könnte man sogar Taschenkontrollen einführen, um erneute Spionageversuche zu verhindern. Wer auch immer dieses Verbrechen begangen hat, richtet also nachhaltig enormen Schaden für die Stadt und seine Bürger an.

Interessanterweise ist in der Ostsee-Zeitung (die immerhin als erste die “ihr aus verschiedenen Quellen zugetragenen” Zahlen großflächig veröffentlichte) auch heute am 31.03.2012 überhaupt nichts von der Sache zu lesen. Darum hier die beiden Pressemitteilungen aus dem Rathaus:

 

Presseerklärungen

Bezug: Artikel der Ostsee-Zeitung, Lokalteil Bad Doberan, vom 28.03.2012

 

Presseerklärung des Stadtvertretervorstehers vom 28.3.2012

In der Sitzung der Stadtvertreterversammlung vom 26.3.2012 hatte sich die Stadtvertretung erneut mit den Anträgen auf Vorkaufsrechtsverzicht der ECH zu befassen. Die OZ berichtete hierüber in der Ausgabe vom 28.3.2012. Die ECH hatte sich erst am Freitag vor der Stadtvertretersitzung entschlossen, der Stadtvertretung die betreffenden Kaufpreise bekanntzugeben. Dem war ein monatelanger, die Entscheidung blockierender Streit darüber vorausgegangen, ob die ECH verpflichtet sei, die Kaufpreise zu benennen.

Die Kaufpreise wurden den Stadtvertretern sodann am 26.3.2012 in nichtöffentlicher Sitzung durch den Bürgermeister aus den betreffenden notariellen Urkunden mitgeteilt. Die Stadtvertreterversammlung hatte hierzu die Öffentlichkeit nach § 29 Abs. 5 S. 2 der Kommunalverfassung ausgeschlossen. In Anbetracht der Berichterstattung über die Kaufpreise und deren Zusammensetzung stelle ich fest:

Es ist aus bestimmten Gründen auszuschließen, daß Informationen über die Kaufpreise und deren Zusammensetzung aus dem Kreis der Stadtvertreter oder aus dem Kreis der Verwaltung hinausgegeben worden sind. Es besteht vielmehr der konkrete Verdacht, daß unter Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes (§ 201 Abs. 1 StGB) während der nichtöffenlichen Beratung unbefugt eine Tonträgeraufnahme hergestellt worden ist.

Guido Lex

Stadtvertretervorsteher

________________________________________

 

Presseerklärung der Stadt Bad Doberan vom 28.03.2012

Als Bürgermeister der Stadt Bad Doberan spreche ich im Namen aller Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Wir sind zutiefst enttäuscht und schockiert über die Veröffentlichung der Kaufpreise aus einer geschlossenen Sitzung heraus. Für mich persönlich ist es unfassbar, dass dieses geschehen ist. Die Stadtverwaltung distanziert sich in vollem Umfang von dieser Art der Informationspolitik und verurteilt die Vorgehensweise aufs Schärfste.

Ich erwarte (wie bereits in meiner Antrittsrede erwähnt) Verlässlichkeit und das Vertrauen aller Beteiligten. Dabei gilt der Vertraulichkeit des Wortes oberste Priorität.

Es gilt, Vertrauen aufzubauen und es bleibt zu hoffen, dass die Basis für eine zukünftige gedeihliche Zusammenarbeit nicht dauerhaft gestört ist.

Aus der Weitergabe der Informationen könnte sich ein Straftatbestand ergeben. Wir erwägen zur Zeit, diesen zur Anzeige zu bringen.

Thorsten Semrau

Bürgermeister

Quelle: http://www.bad-doberan.de/rathaus/aktuelles.html vom 28.03.12

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Mrz 30 2012

Hintergrundinformation: Das sind die Öffnungs-Pläne von FDP und Bürgerbund.

Der Heimfall ist in aller Munde. Er soll die Öffnung Heiligendamms ermöglichen. Was nach einem noblen Ansinnen klingt, ist der Todesstoß für das Grand Hotel und ruiniert Bad Doberan endgültig. Was es mit „Heimfall“ und „Öffnung“ auf sich hat, wer dahinter steckt und was die Folgen wären – ZAM erklärt:

Von der Insolvenz des Grand Hotels in Heiligendamm sind auch die Verträge betroffen, die die Stadt direkt mit dem Grand Hotel geschlossen hat. In den Erbpachtverträgen über die Grundstücke, auf denen sich das Grand Hotel befindet, gibt es eine „Heimfall-Klausel“ die besagt, dass im Falle einer vorzeitigen Insolvenz oder sonstigen Aufgabe des Grand Hotels die Grundstücke an die vererbpachteten Stadt zurück fallen können. Diese Klausel macht Sinn, denn die Stadt behält rein theoretisch für den Fall der vorzeitigen Aufgabe des Hotels den Fuß in der Tür und kann verhindern, dass die Grundstücke gegen ihre Vorstellungen verwertet werden. In Heiligendamm ist ein solches Szenario schwer vorstell- und umsetzbar aber ein Jahrzehnt nach der Wende wollte man lieber auf Nummer sicher gehen. Erbpachtverträge laufen in Heiligendamm in der Regel 99 Jahre, danach gilt das Grundstück als Eigentum des Erbpächters und dann erlischt auch die Möglichkeit des Heimfalls.

 

Stadt kann dem Grand Hotel den Boden unter den Füßen wegziehen.
Konkret bedeutet die Möglichkeit des Heimfalls in Heiligendamm nun, dass die Stadt jetzt Möglichkeiten hat, Grundstücke zurück zu nehmen und selbst zu bestimmen, was damit geschieht. Immer im Rahmen des Flächennutzungsplanes, der Bebauungspläne, städtebaulichen Verträge und des Baurechts könnte die Stadt also irgendwo zwischen Haus „Mecklenburg“ und Burg „Hohenzollern“ eine Imbissbude errichten oder ein Toilettenhäuschen vor die Nasen der Hotelgäste setzen. Ganz so irre sind die Stadtvertreter jedoch nicht: Harry Klink von der FDP und Stadtvertretervorsteher Guido Lex vom Bürgerbund wollen „nur“ die Wege zurück und ein paar Zäune fallen lassen. Was das vor Ort bedeutet, zeigt folgende Grafik der „Zukunft Heiligendamm“:

 

Die Heiligendamm-Torte: Einmal herum und dreimal hindurch.
Schon vor dem „Heimfall“ war der Stichweg in den Medien und davor wiederrum der Rundweg. Kurz zur Erklärung: Stadt und Grand Hotel hatten sich 2004 darauf geeinigt, mehrere Wege durch das Grand Hotel zu schließen, weil das Hotel durch die Touristenströme nicht lief, was Prof. Behnkenstein von der Universität Rostock attestierte. Man einigte sich darauf, auf einen Stichweg bis Ende 2011 zu verzichten. Dann sollte neu verhandelt werden: Das Grand Hotel sollte nachweisen, dass es ohne Stichweg besser läuft, das Hotel sollte eine Vereinbarung mit der Median-Klinik treffen, damit diese einfacher zum Strand gelangen und in die Perlenkette sollten 20% der Investitionssumme geflossen sein. Man möchte den Stadtvertretern fast unterstellen alles dafür getan zu haben, dass das Grand Hotel diese Auflagen nicht erfüllen konnte: Über B-Plan-Änderungen für die Perlenkette wurde fünf Jahre lang gestritten, bevor sie dann 2009 genehmigt wurden, das Image des Grand Hotels wurde durch übertriebene bis gelogene Äußerungen einiger Stadtvertreter gründlich beschädigt und so waren es dann die guten Zahlen der letzten Saison und die Vereinbarung mit der Median-Klinik, an denen Jagdfeld sich festklammern musste. Dass erst Anfang 2010 mit der Sanierung der Perlenkette begonnen werden konnte, weil das 2004 erteilte Baurecht ohne die erst 2009 genehmigten B-Plan-Änderungen unbrauchbar war, verschwiegen einige Stadtvertreter einfach. Auch CDU-Mann Andreas Unterfranz ließ sich immer wieder dazu hinreißen, auf das Baurecht zu pochen, sodass das Unverständnis gegenüber der Problematik der ganzen Parteienlandschaft bescheinigt werden kann.

 

Rundweg war Kompromiss an Stelle des Stichwegs.

Da die Investorengruppe immer wieder betonte, dass ein Stichweg „einen Stich ins Herz Heiligendamms“ bedeutet, kam es Ende 2009 zu Verhandlungen zwischen der FDP-Stadtvertreterin Sylvia Stracke und der ECH, an dessen Ende der Kompromiss stand, einen Rundweg um Heiligendamm herum an Stelle eines Stichweges quer hindurch zu bauen. Die Kosten dafür wollte die ECH übernehmen, damit die Stichweg-Diskussion endlich ein Ende hat. Harry Klink verkaufte diesen Kompromiss als Erfolg seiner Partei, obwohl er selbst (nach meinen Infos) nicht viel Anteil an den Verhandlungen gehabt haben soll. ECH-Chefkaufmann Heiner Zimmermann betonte, dass der Rundweg ein „sehr schmerzhafter Kompromiss“ ist. Der Rundweg sieht vor, eine feste Verbindung zwischen der Seebrücke und dem Liegnitzsteg (Strandabgang 2, zwischen Alexandrinen-Cottage und Kinderstrand) zu errichten, den Liegnitzsteg zu sanieren und an die Straße zum Kinderstrand anzubinden. Kosten für die ECH: 300.000 Euro – die ersten 100.000 Euro sind bereits in den hochwertigen und auch für Fahrzeuge von Bauhof, Forst und StAUN nutzbaren Liegnitzsteg investiert, der Rest fließt in die Verbindung zur Seebrücke.

 

Einige Stadtvertreter wollen den Stichweg trotzdem.

Scheinbar hat man es bei der ECH versäumt, die Bedingung dingfest zu machen, dass wenn der Rundweg gebaut wird, auf den Stichweg verzichtet wird. Bisher galt es unter Juristen als Ass in Jagdfelds Ärmel, dass die Stadt die Verträge mit dem Grand Hotel geschlossen hatte aber der Stichweg über ECH-Grundstücke geht. Nach der Hotelinsolvenz nun haben einzelne Stadtvertreter die Hoffnung, den Stichweg über heimgefallenes Hotelgelände führen zu können – ungeachtet Liegewiesen, Terrassen oder Einblicken in den SPA-Bereich, die Hotelzimmer und die Wohnungen in der Perlenkette.

 

Wahlslogans werden eiskalt umgesetzt und Sitzungsgelder für sinnlose Sitzungen kassiert.

Wie schon erwähnt: Den Hardlinern von FDP und Bürgerbund interessieren das Hotel und seine Gäste nicht – sie haben freie Wege für alle versprochen und diese Wahllosung wollen sie bis zur Wahl 2013 ohne Rücksicht auf Verluste umsetzen. Auch Sitzungsgelder läppern sich zusammen – besonders, wenn man Sitzungen einberuft, um über Dinge abzustimmen, über die es gar nichts abzustimmen gibt. Allein der völlig zwecklose Sitzungsmarathon in Sachen Vorkaufsrecht dürfte um die 2000 Euro gekostet haben – jeder Kindergarten oder Jugendclub hätte sich über dieses Geld gefreut.

Apropos Geld: Die Stichweg-Kämpfer wissen auch schon, wer den Stichweg bezahlen soll. Nämlich der Erstochene – die ECH. Stadtvertreter Jochen Arenz (parteilos) sieht die Stadt für die Finanzierung verantwortlich und weist darauf hin, dass diese sich den Bau eines Stichweges nicht leisten kann. Die Stadt muss nachweisen, dass dieser Weg ihr Vorteile bringt, die mehr wert sind, als die Investitionskosten. Rechnet man da die drohende Hotel- und Perlenketten-Pleite gegen, wird es schwierig, den Beweis anzutreten.

Nun aber zurück zur Heiligendamm-Torte. Die Stadtvertreter von FDP und Bürgerbund (teilweise auch Linke und Grüne) wollen einen Weg um das Grand Hotel herum und drei Wege durch das Hotel hindurch. Zusätzlich wünschen sich gerade FDP und Bürgerbund aber auch die Initiative „Pro Heiligendamm“ (nicht zu verwechseln mit „Pro Seebad Heiligendamm“ – diese sind den ECH-Plänen gegenüber aufgeschlossener), dass der Weg unterhalb der Küstenkante auf die Küstenkante verlegt wird, also das Hotel auf die gesamte Küstenlinie seines Hotelparks verzichtet und Jagdfeld die Touristenmassen vor seinem Alexandrinen-Cottage (gehört seiner Frau Anna Maria Jagdfeld) entlang laufen lässt. Einige Aktivisten können sich sogar vorstellen, ungeachtet aller Eigentumsverhältnisse Jagdfelds Ferienhaus zu einem Café oder Restaurant umzufunktionieren. Heiligendamm war schon immer ein Traum – manche träumen eben von einer eigenen Welt.

 

Hier nun für Sie frisch aus der „ZUKUNFT HEILIGENDAMM“ die Heiligendamm-Torte aus der Rathaus-Bäckerei:

Wegeplanung einiger Stadtvertreter.

 

Die ZUKUNFT HEILIGENDAMM gibt es übrigens hier zum Download: http://www.fundus.de/pub/ZHD.htm
Die aktuelle Ausgabe April/Mai 2012 finden Sie hier: http://www.fundus.de/zhd/ZHD_2012_04_05.pdf

 

Wegeführung zerschneidet Hotellogistik und belästigt Hotelgäste.

Was auf dem ersten Blick verlockend aussieht, weil es dem Tagesgast, Kurpatienten und Einwohnern ein paar Meter kürzere und optisch sehr wertvolle Wege bringt, ist in Wirklichkeit der letzte Nagel zum Sarg: Die Menschenströme – nach der Hoteleröffnung waren es in Spitzenzeiten bis zu 5000 Menschen pro Tag und das Hotel ist seitdem bekannter geworden – würden an den Zimmerfenstern, Terrassen und Gaststätten des Hotels vorbei fließen. Sie würden die Logistik zwischen dem Wirtschaftsgebäude im Westen und dem Hotelkomplex im Osten zerschneiden, die Lieferwege zwischen den Hotelgebäuden zweimal komplett von Norden nach Süden durchtrennen und damit den Hotelbetrieb zerstören. Die Touristen würden mit den Elektromobilen des Grand Hotels zusammen stoßen (250 Hotelgäste begegnen seltener einem E-Auto, als 5000 Tagesgäste) und die Ströme würden selbst über den Hotelparkplatz, am Hoteleingang entlang und zwischen Grand Hotel und Kurhaus hindurch – direkt an zwei Terrassen vorbei – fließen. Sensible Bereiche, wie die Küche des Luxusrestaurants oder der SPA-Bereich wären empfindlich berührt und wer im Bademantel vom Grand Hotel ins SPA will (oder anders herum), der muss durch Touristenströme hindurch – so als träte er in Bad Doberan aus dem Friedrich-Franz-Palais auf die Straße.

 

Wegeführung bedeutet den sicheren Tod für das Grand Hotel.
Für das Hotel bedeutet dies den sicheren Tod und wer solchen Nonsens fordert, der kann nur das beabsichtigen. 300 unmittelbare und ca. 150 mittelbare Arbeitsplätze sind in Gefahr, weil eine Hand voll Stadtvertreter das Grand Hotel zu Gunsten eigener Vorstellungen sterben sehen wollen. Die Insolvenzverwalter des Grand Hotels haben bereits angekündigt, gegen derartige Beschlüsse Widerspruch einzulegen, um Schaden vom Grand Hotel abzuwenden und die Gläubiger zu schützen. Auch der Bürgermeister hat die Möglichkeit, derartige Fehlentscheidungen anzufechten, um Schaden von der Stadt abzuwenden. Denn der Widerspruch der Insolvenzverwalter würde die Stadt in einen jahrelangen Rechtsstreit verwickeln und die bei solcher Fehlentscheidung drohende endgültige Insolvenz des Hotels würde möglicherweise Schadenersatzklagen mit sich bringen.

 

Der Schaden für die Stadt ist schon jetzt unermesslich.

Schaden richten Lex und Klink schon jetzt an, denn jeder Interessent für das Grand Hotel weiß heute schon, dass es in der Stadtvertretung Menschen gibt, denen die Rückgewinnung ehemaliger Fußwege mehr bedeutet, als das Grand Hotel. Diese Interessenten wissen heute schon, dass es sehr schwer wird, mit diesen Stadtvertretern zum Wohle des Grand Hotels und seiner Gäste zusammen zu arbeiten und dass der politische Erfolg einzelner Stadtvertreter bei ihren Wählern stets über der konstruktiven Zusammenarbeit stehen werden. Dem Grand Hotel mangelte es weniger an Kompetenz oder Konzeption, sondern mehr an Durchhaltevermögen. Dem Fonds ging angesichts der Reibereien und Querelen und des damit verbundenen Misserfolgs einfach die Puste aus. Wer die jüngsten Vorstöße der FDP und des Bürgerbundes sieht muss sich als Investor in erster Linie fragen, wie dick das eigene Fell und wie groß das Durchhaltevermögen ist. Kurzum: Einige Investoren werden sich dreimal überlegen, ob sie Jagdfelds schweres Erbe antreten oder doch lieber irgendwo investieren, wo man sich auf die Gemeinde verlassen kann. Für Bad Doberan ist das ganze ein einziges großes und trauriges Armutszeugnis und es darf dafür gebetet werden, dass wie einst der Heilige Damm nun heute der neue Bürgermeister ein Absaufen der Münsterstadt verhindern kann.

 

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Mrz 29 2012

Veröffentlichung der Perlenketten-Kaufpreise beschädigt Ansehen des Bad Doberaner Rathauses.

Ich hatte lange überlegt, ob ich die Preise für die Villen der Perlenkette auf ZAM veröffentliche. Wo aber die OSTSEE-ZEITUNG reißerisch die Lokal-Titelseite mit den großen blauen Zahlen füllt, war die Katze sowieso aus dem Sack. Meine Verwunderung über die Veröffentlichung von Zahlen aus einer nichtöffentlichen Sitzung tat ich dennoch gestern Kund. Gerade, da dieselbe Zeitung auch noch im gleichen Artikel schrieb, dass nur die Stadtvertreter diese Zahlen wissen durften. In einer Randnotiz geht die Ostsee-Zeitung am 29.03.2012 auf das „Leck im Rathaus“ ein.

 

Stadtvertreter-Tratsch ist altes Doberaner Problem.

Nun stehen wir also wieder da, wo der damalige Stadtvertretervorsteher Christian Berner (damals SPD) zur Jahrtausendwende öffentlich seinen Unmut äußerte: Es gibt ein Leck im Rathaus, das scheinbar darauf hinausläuft, dass ein oder mehrere Stadtvertreter Details aus nichtöffentlichen Sitzungen an die Presse – speziell die OSTSEE-ZEITUNG – weiter gibt. Zwar schreibt das Blatt, dass ihm die Zahlen aus verschiedenen Quellen zugetragen worden sind aber der Kreis derer, die diese Zahlen kennen, ist sehr gut überschaubar und die Kontakte zwischen einzelnen Stadtvertretern und einzelnen Zeitungsautoren sind ebenfalls überschaubar – nicht nur bei der Ostsee-Zeitung. Das Verbreiten vertraulicher Informationen aus dem Rathaus darf nicht sein, ist sogar strafbar und beschädigt das Vertrauen des ganzen Rathauses gegenüber der Wirtschaft und auch der Bürger.

 

Bürgermeister Semrau: Unfassbarer Vorgang.

Grund genug für den neuen Bürgermeister Thorsten Semrau, das nicht zu billigen, sondern wie seinerzeit Berner auf den Tisch zu hauen. „Wir sind zutiefst enttäuscht und schockiert, dass die Kaufpreise aus einer geschlossenen Sitzung heraus bekannt geworden sind“ zitiert die OSTSEE-ZEITUNG den Bürgermeister. In einer Pressemitteilung wird der Bürgermeister deutlich und stellt unmissverständlich klar: „Ich erwarte Verlässlichkeit und das Vertrauen aller Beteiligten. Es gilt, Vertrauen aufzubauen und es bleibt zu hoffen, dass die Basis zukünftige gedeihliche Zusammenarbeit nicht dauerhaft gestört ist.“

 

Stadtvertretervorsteher Lex: Gesamtsumme war schon vorher bekannt.

Auch Stadtvertretervorsteher Guido Lex – dessen Parteifreunden hinter vorgehaltener Hand oft zusammen mit einer bekannten Lokalzeitung inszenierte Interviews und Berichte unterstellt werden – zeigt sich enttäuscht. Beinahe verteidigend weist der Berufsrichter darauf hin, dass der Kaufpreis von 20 Millionen Euro schon seit Wochen in Bad Doberan bekannt sei und seitens des Eigentümers nicht bestritten worden sei. Da bedarf es beinahe keiner vorgehaltenen Hand mehr…

 

 

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Mrz 28 2012

Stadtvertreter verzichten offiziell auf das Vorkaufsrecht für die Perlenkette.

Fast hätte es der Stadt das Genick gebrochen: FUNDUS-Chef Anno August Jagdeld wartet seit Mitte 2011 auf ein Dokument, das ihm den Verzicht der Stadt auf ihr Vorkaufsrecht für die Perlenkette attestiert. Die Stadtverwaltung hatte vom Vorkaufsrecht aus finanziellen Gründen (und damit wegen fehlender Rechtsgrundlage) keinen Gebrauch gemacht und musste nun ein Attest dafür ausstellen. Dann kamen die Bürgermeister-Wahlen und damit kam das Thema an die Öffentlichkeit und wurde zum Politikum. Stadtvertreter warfen dem Bürgermeister Hartmut Polzin vor, sie umgangen zu haben und forderten trotzig das Vorkaufsrecht ein – zur Not eben zu Gunsten eines Dritten, den FDP-Mitglieder und auch Bürgerbundler immer wieder imaginisierten, ohne Namen oder Fakten nennen zu wollen oder können. Zwei Abstimmungen der Stadtvertreter zum Vorkaufsrecht wurden zum Flop: Dem 9:9 folgte ein 11:11 und damit entschieden die Stadtvertreter, vom Recht keinen Gebrauch zu machen aber auch nicht darauf zu verzichten. Hartmut Polzin war nun genötigt, gegen die Beschlüsse Widerspruch einzulegen, um Schaden von der Stadt abzuwenden, musste aber zugleich sein Amt an den Wahlsieger Thorsten Semrau übergeben. Die ECH ihrerseits schaltete einen Anwalt ein und forderte letztmalig die Herausgabe des ihr zustehenden Attestes und dazu noch den offiziellen Verzicht auf das Vorkaufsrecht – möglichst per Beschluss. Wer das Feuer entfacht, soll es auch löschen. So wurde die letzte Entscheidung zur spannendsten des Quartals: Wie werden die Stadtvertreter angesichts der bevorstehenden Klage, nun mit neuem Bürgermeister im Raum und mit Rücksicht auf die Insolvenz des Grand Hotels reagieren?
Die Verhandlung fand hinter verschlossenen Türen statt. Erstmals wurden auch die Preise genannt. Laut OSTSEE-ZEITUNG standen folgende Preise zur Debatte:

3.208.482,46 Euro soll demnach die neu erbaute Villa „Perle – Großfürstin Marie“ wert sein, 538.103,82 Euro hätte die Stadt für die in Planung befindliche Villa „Greif“ hinblättern müssen und selbst Abrisskandidaten sind ein Vermögen wert: 725.302,91 Euro die innen zur Hälfte bereits eingestürzte Villa „Schwan“. Villa Hirsch – kein Abrisskandidat – ist als kleinste Villa auf kleinstem Grundstück „nur“  499.444,47 Euro wert. Insgesamt hätte die Stadt 11,7 Millionen Euro für den Vorkauf der Perlenkette und 10,9 Millionen Euro für den Vorkauf weitere Immobilien in Heiligendamm bezahlen müssen. Laut OSTSEE-ZEITUNG (Ausgabe vom 28.03.2012) kursieren diese Zahlen inzwischen in der ganzen Stadt. Während Bürgermeister Hartmut Polzin diese Preise nicht nennen wollte (und auch nicht musste), konnte der neue Bürgermeister Thorsten Semrau das Debakel dadurch beenden, die Zahlen zu nennen. Trotzdem war hierfür natürlich erst ein Beschluss der Stadtvertreter nötig. Die Preise wurden hinter verschlossenen Türen genannt und auch im Nachhinein gaben die Stadtvertreter keine Auskunft. Wie die Ostsee-Zeitung trotzdem an die Preise gekommen ist, ist ein altes Geheimnis, das schon Stadtvertretervorsteher Christian Berner vor fast 20 Jahren öffentlich rügte.

18 Stimmen für den Verzicht auf das Vorkaufsrecht.

Die Zahlen nun kennend, hoben 18 Stadtvertreter die Hand für einen Verzicht auf das Vorkaufsrecht. Damit kriegt Jagdfeld nun sein ersehntes Attest, die Grundbucheinträge können vorgenommen werden und die Villen wechseln höchstoffiziell ihre Besitzer. Was die Ostsee-Zeitung als „nun unwiederbringlich in privaten Besitz übergehen…“ bezeichnet, war schließlich das 1997 vorgelegte und 2004 noch einmal spezifizierte Konzept der FUNDUS-Gruppe: Villen sanieren und zum Verkauf als Ferienobjekte anbieten. Ob der Käufer nun eine Wohnung kauft oder eine ganze Villa, spielt dabei genauso wenig eine Rolle wie die Nutzung für eigene Zwecke oder zur Weitervermietung.

Einzige Bindung, die 2004 in die Verträge aufgenommen wurde: Die Käufer müssen die Wohnungen durch das Grand Hotel bewirtschaften lassen und dafür feste Gebühren entrichten. So wurde neben der zusätzlichen Einnahmequelle für das Hotel (im Gegenzug bekommen die Villenbewohner auch Sonderkonditionen im Grand Hotel) eine Bindung erzielt, die ein einheitliches Bild zur Folge haben soll. Bestes Beispiel: Es mäht nicht jeder seinen Rasen, wann und wie er will, sondern die Gärtner des Grand Hotels mähen alles zusammen mit den eigenen Flächen einheitlich und akkurat. Da stecken wirklich gute Gedanken hinter. Jedenfalls war der Übergang von Staatseigentum zu Gesellschaftseigentum (FUNDUS-Gruppe) und danach zu Privateigentum von vornherein beschlossene Sache und damit eigentlich nach fast 20 Jahren keine Träne mehr wert.

Übrigens: Für Villa “Greif” laufen bei der ECH die Planungen für die Sanierung und für Villa “Möwe” plant schon der neue Besitzer, der aber jetzt erst loslegen darf, weil erst jetzt der Grundbucheintrag vorgenommen werden kann. Wären die Stadtvertreter schneller gewesen, hätten schon erste Arbeiten stattfinden können.

Überraschende Wende bei einigen Stadtvertretern.

Einer von denen, die jetzt die Hand hoben,  ist nach meinen Informationen auch FDP-Chef Harry Klink, der bisher am Vorkaufsrecht festhielt und seinen Sinneswandel nun gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG so begründet: „Semraus Vorgänger, Hartmut Polzin(SPD),hat die Preise den Stadtvertretern ein Dreivierteljahr lang verheimlicht, und so eine sachbezogene Entscheidung verhindert. Damit hat er wahrscheinlich dafür gesorgt, dass gesetzliche Fristen überschritten wurden, die Stadt ihr Vorkaufsrecht gar nicht hätte nutzen können, selbst wenn Geld zum Kauf der Villen da gewesen wäre.“

Nachruf an den scheidenden Bürgermeister verschaukelt Bürger.

Da fragt sich doch, für wie blöd Klink die Bürger verkaufen will: Jeder einfache Bürger hat gewusst, dass die Perlenkette nicht hunderte, nicht tausende, nicht zehntausende und auch nicht hunderttausende kosten würde, sondern Millionen. Jeder einigermaßen intelligente Bürger weiß, dass die Stadt sich nicht einmal eine Million Euro für den Vorkauf leisten kann, liegt doch selbst der Monatshaushalt in diesem Bereich, sodass nichts übrig bleibt. Die Stadt konnte es sich zu keiner Zeit leisten, auch nur ein Haus zurück zu erwerben – beim Moorbad hätte die Möglichkeit auch bestanden und wurde eben deshalb nicht genutzt. Die Stadtvertreter müssen also gewusst haben, dass es in Heiligendamm um Millionen geht und ein Vorkauf nicht in Frage kommt. Fragt man verschiedene Stadtvertreter danach, drängt sich der Anschein auf, als sei nur Harry Klink nicht in der Lage, sich selbst zu informieren. Da scheint der „Nachruf“ an den alten Bürgermeister doch eher wie das Sahnehäubchen in einer Schlacht, die nun zu Ende geht.

Stadtvertreter hatten keine andere Wahl.

Nun einmal ganz ehrlich: Die Stadtvertreter hatten einfach keine andere Wahl. Ein erneutes Nein hätte einen jahrelangen Prozess bedeutet, für den Schwerin kein Geld zur Verfügung gestellt und der damit die Stadt ruiniert hätte. Und die Schuldigen hätten mit Bild und Namen in den Zeitungen gestanden. Dagegen wurde abgestimmt – nicht gegen das Vorkaufsrecht.
Zum vollständigen Artikel:
http://www.ostsee-zeitung.de/doberan/index_artikel_komplett.phtml?param=news&id=3404609

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Mrz 28 2012

Neuer Betreiber für das Grand Hotel vielleicht schon vor der Saison.

Die Rettung des Grand Hotels in Heiligendamm könnte schneller gehen, als man dachte. Schon Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum hatte sechs Bewerber für die Übernahme des insolventen Luxushotels in die engere Auswahl genommen und sein Sonderbeauftragter vor Ort, Rolf Paarmann, verhandelt nun konkret. In Frage kommen für ihn nur Familienbetriebe, da das Prinzip „Wir sind eine Familie“ im Grand Hotel Früchte trägt und weiter geführt werden soll.

 

Paarmann sagt gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG (Ausgabe vom 27.03.2012), dass die sechs Bewerber alle aus dem europäischen Raum stammen und räumt mit den Gerüchten auf, dass Investoren aus den Golf-Staaten oder China an den Gesprächen beteiligt werden. Das ist nach seiner Aussage ebenso wenig der Fall, wie die Bewerbung von großen Staatsfonds. Auch Investor Anno August Jagdfeld hat nach seiner Aussage kein eigenes Angebot vorgelegt.

 

Weiterführung als 5-Sterne-Hotel wird angestrebt. Zerschlagung soll verhindert werden.

Wie die OSTSEE-ZEITUNG weiter berichtet, sind die obersten Ziele des Insolvenzverwalters, das derzeit gut ausgelastete Hotel als Fünf-Sterne-Luxushotel weiter zu führen und das Gebäudeensemble komplett in einer Hand zu belassen. Paarmann betont, dass sich das Hotel einen Ruf unter den Fünf-Sterne-Hotels gemacht hat und es daher sinnlos wäre, daraus ein Vier-Sterne-Hotel oder schlimmstenfalls noch eine Jugendherberge zu machen. Paarmann lobt auch die Mitarbeiter, die zum Erfolg des Grand Hotels beigetragen haben und sieht außer den 300 unmittelbaren auch 150 mittelbare Arbeitsplätze, z.B. beim Wachdienst und Zulieferern zu sichern.

 

Wie geht es mit der Perlenkette weiter?

Die Weiterentwicklung Heiligendamms in der ersten Reihe wird das nicht beeinträchtigen, denn die Sanierung der Perlenkette ist nicht vom Hotelbetrieb abhängig. Eher verhielt es sich bisher anders herum: Die ECH hatte dem Grand Hotel immer wieder mit Stundungen und sogar Darlehen geholfen. Das Jagdfeld immer wieder vorgeworfene Geflecht von Firmen in der FUNDUS-Gruppe hat also auch gute Seiten. Dennoch sollte man nicht denken, Jagdfeld könne einfach Geld von erfolgreichen in erfolglose Projekte umschaufeln. Wenn das möglich gewesen wäre, würde das Grand Hotel jetzt nicht insolvent sein. Nicht zu vergessen: Die ECH wurde seit 2004 daran gehindert, ihre Pläne zur Sanierung der Perlenkette neu auszurichten und konnte darum erst 2010 mit der Sanierung beginnen. Unter anderen Umständen hätte die ECH bereits Millionen mit dem Verkauf von Ferienwohnungen verdient und von den Gewinnen das Grand Hotel unterstützen können. Von satten Gewinnen aber ist die ECH angesichts der festgefahrenen und sich erst jetzt langsam lockernden Situation noch weit entfernt. Die ECH kann quasi jetzt erst beginnen, was sie eigentlich schon fertig haben wollte. Villa „Greif“ ist in Planung, Villa „Perle“ wird spätestens nächstes Jahr fertig – insgesamt wird aber laut Projektleiter Hans Schlag „eine zweistellige Zahl von Jahren vergehen“, bis die Perlenkette wieder im alten Glanz erstrahlt.

 

Was bedeutet ein neuer Eigentümer für die FUNDUS-Pläne?

Ob alle Vorhaben des Masterplans sich umsetzen lassen, ist derzeit nicht abzusehen. Die Pläne sehen eine eigene kleine Stadt vor, deren Mittelpunkt das Grand Hotel darstellt. Wenn der neue Eigentümer des Grand Hotels sich damit identifizieren und sich auch an den FUNDUS-Vorhaben beteiligen kann (oder anders herum FUNDUS am Grand Hotel beteiligt, denn es muss nun einmal mindestens einen Weg geben, über den Geld aus dem Hotel in die Entwicklung des Umlandes fließt), dann kann zusammen mit der ECH alles umgesetzt werden, was Robert A. M. Stern vorschwebte. Wenn sich die beiden Unternehmen jedoch nicht verstehen, wird die ECH ihre Pläne nicht mehr am Hotel, sondern an den Villen und Appartments orientieren und somit eine eigene Welt um das Grand Hotel herum entwickeln. Das mag auch funktionieren aber für die Vermarktung der Legende Heiligendamm ist es besser, wenn alles ein Paket bleibt.

 

Insolvenzverwalter würde Öffnungs-Beschluss widersprechen.

Rolf Paarmann macht klar, wohin das Ansinnen einiger Stadtvertreter führt, den Heimfall von Pachtland für eine Entfernung von Zäunen zu nutzen: Als Insolvenzverwalter muss er Schaden von den Gläubigern abwenden und in Widerspruch gehen. Die Folge wäre ein jahrelanger Rechtsstreit, in der Zeit das Grand Hotel dann gänzlich in die Pleite stürzen könnte – sei es, weil Investoren zurück schrecken oder weil das Hotel durch die Wege zerschlagen wird.

 

IHK will im Wege-Streit moderieren.

Wie die OSTSEE-ZEITUNG weiter berichtet, hat sich die IHK zu Rostock im Streit um die Öffnung der Wege angeboten, zwischen den Interessenvertretern zu moderieren, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Ein externer Fachmann soll einen Kompromiss erarbeiten, der auf der einen Seite die Privatsphäre der Gäste des Grand Hotels wahrt und andererseits den Bürgern einen (weiteren?) Zugang zum Meer bieten soll.

 

Zum vollständigen Artikel in der OSTSEE-ZEITUNG:
http://www.ostsee-zeitung.de/doberan/index_artikel_komplett.phtml?param=news&id=3403593

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Mrz 24 2012

Außerdem aktuell: +++ Grand Hotel zu 78% ausgelastet. +++ “Ihr Platz” Filiale in Bad Doberan schließt. +++

Grand Hotel zu 78% ausgelastet.

Das Wochenendgeschäft ist die wichtigste Einnahmequelle der Hotels an der Ostsee. So auch in Heiligendamm. Wie die Ostsee-Zeitung am 24.03.2012 berichtet, ist das Grand Hotel zu 78% ausgelastet. Grund ist unter anderem auch eine Marketingkampagne: Das Hotel hat viele Stammgäste angeschrieben, Newsletter und Prospekte verschickt. Bei den Preisen hat sich nichts geändert, denn das wäre das falsche Signal. Außerdem in der Ostsee-Zeitung nachzulesen: Meinungen der Mitarbeiter zur Insolvenz und den Öffnungs-Ansinnen.

 

Zum vollständigen Artikel:

http://www.ostsee-zeitung.de/ozdigital/lokales/bad-doberan/titelseite_dbr_33333335373136.phtml

“Ihr Platz” Filiale schließt.

Nach den beiden Schlecker-Filialen des insolventen Schlecker-Konzerns verliert Bad Doberan auch die Tochterfirma “Ihr Platz” in der Mollistraße. Übrig bleibt damit in der Innenstadt das “Rossmann” (ehemals “Kloppenburg” als Drogerie-Discounter. Wie die leeren Ladenflächen in Zukunft gefüllt werden, ist noch offen. ZAM-Tipp: Einfach mal durch die Stadt bummeln – jeder Händler hat seine eigenen kleinen Besonderheiten im Angebot, die Sie in Discountern nicht finden.

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