Der Traum vom mondänen Seebad im Bad Doberaner Stadtteil Heiligendamm – er wird seit Monaten systematisch zerstört.

Ein Strandzentrum sollte an der Kurve der Seedeichstraße gleich hinter dem Deich entstehen. Von einem Pavillon war jahrelang die Rede, hier sollte Gerhard Butzes „Bistro am Strand“ eine neue Bleibe finden, hier sollten Toiletten hin, ein Café, ein paar Geschäfte. Pacht, Miete oder Kauf waren im Gespräch und bauen wollte die Stadt selbst oder ihre WIG. Jahrelang passierte nichts, der Schotterplatz diente als im Sommer hoffnungslos überfüllter Parkplatz und nachdem die Stadt dort auch noch Automaten aufstellte und abkassierte, war sie so zufrieden, dass sie gar nicht mehr an ein Strandzentrum dachte.

Nachdem die Pacht- und Mietverträge Butzes und auch Walters (Schwanencafé in den Kolonnaden) endeten und beide Heiligendamm den Rücken kehrten, kam wieder Bewegung in die Sache. Statt eines Strandzentrums mit Branchenmix sollte es nun nur noch eine Strandversorgung sein und wer sie baut, darf sie auch betreiben. Der Heiligendammer Architekt Ralf Goedeke präsentierte ein nierenförmiges modernes Gebäude und berücksichtigte auch einen Spielplatz von der Wunschliste seiner Mitstreiter von der Interessengemeinschaft Heiligendammer Gastgeber (IHG).

Link zur Visualisierung des ursprünglichen Entwurfes der Strandversorgung:
http://www.visual-x-dimension.de/garten_pl/garten07.htm


Der Doberaner Gastgeber Tom Wosar brachte einen Gegenvorschlag ein, eine Art Kolonnaden mit Branchenmix. Obwohl sein Vorschlag kein Konzept, sondern eine Idee war, behandelten die Stadtvertreter beide Varianten so, als müsse man sich für eine entscheiden. Die tief gespaltene Stadtvertretung fiel in zwei Lager. Der Bürgerbund unterstützte Goedeke, die FDP Wosar. Am Ende bekam zwar Goedeke den Zuschlag, konnte aber wegen eines Streits um die Höhe des Erbpachtzinses nicht anfangen. Als er dann soweit war, machte ihm der Landkreis einen Strich durch die Rechnung. Er musste aber bis zum Saisonbeginn anfangen, sonst drohte sein Vertrag mit der Stadt ungültig zu werden.


Buden statt Bistro

 

Die Strandversorgung in Heiligendamm an einem Sonntagnachmittag im Dezember 2014

Am Ende reichten Zeit und Geld nur für drei einfache Holzbauten, die durch eine geschickte Ummantelung wie eine moderne Interpretation der Kolonnaden aussehen. Links gibt es Kaffee und Softeis, in der Mitte bietet eine Wurtstbraterei und rechts ist aus einem Wagen der Fisch-Imbiss eingezogen. Draußen gibt es Stühle und Schirme auf Seesand – vorn Parkplatz und Straße, links und rechts ungepflegtes Grün.

 

Ein Spielplatz mit Gefahrenpotenzial

 

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Der Spielplatz an der Kurve der Seedeichstraße mit ungeschütztem Zugang direkt auf die Straße.

Auf der Freifläche dahinter soll ein Sanitärhaus mit kleinem Bauhof-Lagerraum entstehen und daran schließt sich ein Kinderspielplatz an, dessen Eingang genau in der Kurve der Seedeichstraße liegt – auf der Seite ohne Bürgersteig. Großzügig wurde hier das letzte Filetstück der Stadt mit Angeboten versiegelt, die nur in der Badesaison richtig gut verdienen können, aber trotzdem höchstens einen minimalen Betrag an Steuern in die Stadtkasse bringen – wenn überhaupt.

 

 

Abkassieren auf dem Schotterparkplatz

Ein Stück weiter östlich: Wo einst eine große glatte Wiese den Informierten daran erinnerte, dass hier bis zum 2. Weltkrieg der erste Golfplatz des Landes lag, präsentiert die Stadt heute mit Stolz ihren „Saisonparkplatz“.

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Der verwaiste Saisonparkplatz in Heiligendamm am letzten Sonntag im Mai 2014

Das ist nichts weiter, als eine große eingezäunte Schotterfläche, auf der mit Markierungen und Begrenzungen angezeigt wird, wo geparkt werden darf. Weil hier eigentlich gar nicht gebaut werden darf, musste man auf Schotter zurück greifen. Die erste Variante war nach einer Saison nicht mehr zu gebrauchen und das Land erbarmte sich, mit einer halben Million Euro Steuergeld der Stadt zu helfen, unter anderem hier besseren Schotter zu bekommen.

So richtig Schotter erhoffte man sich mit der Aufstellung von Parkscheinautomaten, aber die gnadenlose Verstopfung mit Autos vom ersten Sommer blieb im zweiten aus und der große freie Platz ein großer freier Platz. Trotzdem: Das Rathaus ist stolz auf die über 200 neuen Stellplätze, denn damit bietet man den Gästen in Heiligendamm so richtig was.

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Für den neuen Parkplatz wurde ein neuer Strandaufgang improvisiert. Von hier muss man eigentlich zum nächsten Strandaufgang laufen. Da es aber kaum jemand tut, hat sich ein tiefer Trampelpfad im Küstenschutzbauwerk gebildet.
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Darüber hinaus endet der Strandaufgang direkt auf der Straße, weil es hier keinen Bürgersteig gibt. Immerhin hat man hier Barrieren installiert, worauf man am Ausgang des Kinderspielplatzes verzichtet hat.

 

 

Strandzentrum zweiter Klasse

Gleicher Ort: Auf dem Streifen zwischen Saisonparkplatz und Straße sollte nun das wahre Strandzentrum entstehen, welches man weiter westlich zu Gunsten der Strandversorgung aufgegeben hatte. Investor Klaus König aus Templin hat große Pläne – Tiefgarage, Gewerbeflächen, Restaurants mit Dachterrasse. Für die Stadt zu groß, denn zwischen Buschblick und Seeblick liegen 70 Zentimeter und die wollen ihm Bürgermeister und viele Stadtvertreter nicht gönnen. Schließlich ändert man den Bebauungsplan nicht für Investoren, nur weil die das wollen. Er könne ohne Dachterrasse bauen und sich mit Buschblick zufrieden geben. In erster Linie ist an den Äußerungen aus dem Rathaus jedoch zu erkennen, dass persönliche Antipathien gegenüber König eine wichtige Rolle spielen. So war es ja auch bei der Strandversorgung.

Beide privat finanzierten Projekte waren hochwertig geplant. Die Strandversorgung ist bereits in extrem vereinfachter Form realisiert worden, beim Strandzentrum droht dasselbe. Vom „Strandzentrum zweiter Klasse“ spricht sehr treffend ein Befürworter unter den Stadtvertretern.


Zur Veranschaulichung: So ähnlich könnte das Strandzentrum aussehen:
http://www.hass-briese.de/studien_wettbewerbe/Promenade_Heiligendamm/
(Das ist ein von der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm in Auftrag gegebener Entwurf, die ECH baut aber kein Strandzentrum, das war eine Idee aus der Anfangszeit. Ein Bild von Königs Entwurf eines Strandzentrum konnte ich nicht in Erfahrung bringen.)

 

Ferienwohnungen in der zweiten Reihe

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Ferienwohnkomplex „Residenz von Flotow“ in der Kühlungsborner Straße 14 in Heiligendamm.

Nicht zweitklassig, aber eben auch nicht mondän ist das Projekt „Residenz von Flotow“. In der zweiten – gefühlt dritten – Reihe war es offenbar einfacher, ein Projekt in Ruhe und ohne Einreden zu realisieren. Zwar dauerte es nach dem Abriss des Hauses „Waldfriede“ auch fast ein halbes Jahrzehnt, bis sich an dieser Stelle was tat, aber es ist genau das entstanden, was ursprünglich die JHI-Immobilien aus Kühlungsborn auf ihrem Schild und im Internet bewarb.

Der Sinn eines Ferienhaus-Komplexes in Heiligendamm sei dahin gestellt, denn diese Art von Unterbringung läuft nur in einem sehr begrenzten Zeitfenster richtig gut und den Rest des Jahres herrscht großer Leerstand. Ferienwohnungen sollen eigentlich als Überlauf dienen, wenn alle Hotels und Pensionen des Ortes ausgebucht sind und immer noch Bedarf besteht. In Heiligendamm ist das etwas schwierig zu beurteilen, weil zwischen dem 5-Sterne-Luxus-Hotel und der zum Zimmer ausgebauten Garage Welten liegen, in denen der eine niemals das andere buchen würde.

Die erste Saison ist geschafft, Beschwerden hört man weder von den einheimischen Privatvermietern, noch von den Investoren, die sich neue Ferienwohnungen eingekauft haben. In der Nachbarschaft stehen zwei Häuser mit jeweils einer bis mehreren Ferienwohnungen zum Verkauf. Beide existieren schon recht lange in Heiligendamm. Ob das was mit der möglichen Konkurrenz in der Nachbarschaft zu tun hat, wird spekuliert und kann auch nur spekuliert werden. Fakt ist, dass es kein großes Fewo-Sterben in der Nachbarschaft gibt. Vielleicht funktionieren diese Residenz-Ferienwohnungen, weil sie genau in der Mitte zwischen diesen beiden Welten liegen. Platz ist hier hinten jedenfalls genug seit der großen G8-Beräumung in den Jahren 2006 und 2007. Der Rest gehört bis auf einige Flecken Jagdfelds EntwicklungsCompagnie Heiligendamm und dass die dort irgendetwas billiges baut oder bauen lässt, darf getrost ausgeschlossen werden.

 

Waldstück statt Kurpark

Trotzdem: Ein Seebad wächst entlang der See und relevant für die Gäste ist die erste Reihe an der Promenade, am Boulevard, am Kurpark, an der Seebrücke, am Yachthafen und am Strand.

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Mehr Urwald, als Kurwald: Verwucherte Blumenrabatte, defekte Lampe an Wegkreuzung.

Heiligendamm hat keinen Boulevard, der Kurwald ist nur ein Wald mit Sandwegen und ein paar schlecht gepflegten Rabatten, die Promenade ist nur eine kurze Sackgasse, die Seebrücke nur ein nicht-schiffbarer Lauf- und Angelsteg und einen Yachthafen sucht man im ältesten deutschen Seebad verdutzt vergebens. Umso wichtiger wäre es, dass gleich nebenan etwas entsteht, das die Leute anzieht und ihnen die Möglichkeit gibt, für Begehrtes Geld auszugeben.

Das kann keine Strandversorgung und das kann auch kein Strandzentrum. Jagdfelds Thalasso-Zentrum mit einer Vielzahl von Angeboten rund um das Baden im Meerwasser und mit Gewerbe- und Gastronomieflächen hätte das sicherlich gekonnt, aber dieses Zentrum gibt es nicht und ob und wann es je kommt, vermag niemand zu sagen. Im von Jagdfeld geplantes Ausmaß würde es einzigartig sein, aber mit Blick auf die großen Pläne und kleinen Resultate, mag man die planmäßige Ausführung bezweifeln. Ohnehin waren ja zu allen Zeiten genug Leute im Rathaus gegen so einen großen Tempel, der wenn, dann am Besten am südlichen Ortsausgang stehen sollte.

 

Grand Hotel ist auf sich selbst gestellt

 

Das Grand Hotel selbst könnte das Blatt noch wenden und das vom Visionär Robert A. M. Stern gezeichnete Rondell auf dem Kurhausplatz realisieren. Es könnte wie in alten Zeiten exklusive Shops und Boutiquen und besondere gastronomische Konzepte im Erdgeschoss des alten Badehauses  „Haus Mecklenburg“ etablieren und somit an mehr als nur den buchenden Hotelgästen Geld verdienen. Nebenbei würde es das Herz Heiligendamms öffnen und für Entspannung in der hitzigen Diskussion um das eingezäunte Hotelgelände sorgen, ohne irgend welche Durchgänge oder Stichwege zu bauen.

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Momentan Galerie, nach den Vorstellungen des Grand Hotels bald Pizzeria und Sushi-Bar zum Verdienen an Tagesgästen außerhalb des Grand Hotels.

Paul Morzynski setzt jedoch auf die Orangerie und will dort in der zweiten Reihe mit Pizza, Pasta und Sushi Geld aus den Taschen derer ziehen, die für ein Zimmer im Hotel nicht genug dabei haben. Kaufmännisch ist das nicht dumm, weil man die Flächen eh nicht besser nutzen kann, aber es ist auch nicht genial, weil man in der ersten Reihe viel mehr verdienen kann und dieses Potenzial ungenutzt lässt.

Hier kann man die Vision Robert A. M. Sterns für Heiligendamm sehen: http://www.ramsa.com/en/projects-search/resorts/heiligendamm.html

Das Rondell sieht man hier besonders gut (Seiten 18 bis 21): 
https://www.yumpu.com/de/document/view/3018324/die-legende-lebt-und-wachst-die-fundus-gruppe

 

 

Bebauungsplan wird ignoriert.

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Das abgerissene Cafe im Alten Golfhaus.

Genial hingegen ist da wieder der Plan der WBG aus Stade. 

Nach dem Komponisten von Flotow soll nun ein die Region prägender Baum als Namensvetter her halten. 

„Linden-Palais“ heißt das neue Projekt und es ersetzt die kleine Gaststätte und Pension im alten „Golfhaus“ an der Seedeichstraße.

Unter optimaler Ausnutzung der Fläche entsteht hier ein weiterer Ferienwohnungskomplex. 

 

Baustellenschild des Linden-Palais

Eigentlich lässt der Bebauungsplan das gar nicht zu, denn hier darf nur eine Pension entstehen.

Ferienwohnungen sind keine Pensionen, wie seit der Fewo-Verbotswelle und vielen Gerichtsurteilen- und beschlüssen hinlänglich bekannt ist.

 

 Warum hier trotz Verstoßes gegen den B-Plan und Planungswillen der Stadt Ferienwohnungen entstehen können, soll separat hinterfragt werden: 

Link: Verstößt das Linden-Palais in Heiligendamm gegen den B-Plan?

Tatsache ist, dass diese Ferienwohnungen – so sie denn nicht gleich wieder verboten werden – der vorläufige Höhepunkt des Ausverkaufs von Heiligendamm sind.

Auf dem letzten bebaubaren Filetstück entsteht ein Haus, das die meiste Zeit des Jahres großflächig leer steht und das dem Ortsteil keinen Nutzen bringt. Die Gäste dort müssen sich selbst versorgen, wenn sie nicht jeden Tag zu jeder Mahlzeit ins Bistro gehen oder Fast Food in den Imbissen essen wollen. Dass diese Klientel in den Restaurants eines Luxushotels speist, ist nicht sehr wahrscheinlich und dass sie jeden Tag eine andere der beiden Gaststätten Heiligendamms besucht, darf auch bezweifelt werden. Der letzte Halt vor Heiligendamm dürfte für diese Gäste der Penny-Markt sein und das werden die Gäste mit den Campern aus Börgerende gemeinsam haben.


Luxushotel braucht hochwertiges Umfeld

Grand-Hotel-Geschäftsführer Patrick Weber wünschte sich mehr Hotels in Heiligendamm und erntete mit diesem Vorstoß Entgeisterung: Er wünscht sich Konkurrenz? Nein, er wünscht sich mehr Gäste für die Angebote seines Hauses. Wenn Heiligendamm ein weiteres Hotel bekäme, hätte es wenigstens vier Sterne, sonst wäre es unrentabel. Vier-Sterne-Gäste gibt es in Heiligendamm gar nicht, so ein Hotel würde also auch dem Grand Hotel nützen. An Stelle des Golfhauses hätte natürlich ohne weiteres auch kein Hotel entstehen dürfen, aber eine 4-Sterne-Pension allemal.

Bevor Heiligendamm Ferienwohnungen braucht, braucht es erst einmal die Grundzüge von Infrastruktur einer Stadt, denn Bad Doberan ist zu weit weg. Selbst Börgerende ist dichter dran und es wäre gar nicht dumm, wenn die beiden zusammenarbeiten würden, was aber angesichts der führenden Köpfe beider Ortsteile mittelfristig nicht absehbar ist.

Vor allem aber braucht das gewollt mondäne Seebad erst einmal die Basics eines Seebades, um überhaupt an kleine See-Dörfer heran zu kommen, die schon jetzt mehr bieten, als der ganze kahle Strandabschnitt zwischen Warnemünde und Kühlungsborn insgesamt.

 

 

Billigangebote zerstören Heiligendamm

Verdienen können an den Ferienwohnungen in Heiligendamm nur die, die sie bauen und die, die sie verkaufen. Die Käufer sind die Dummen, wenn die Gäste erst einmal da waren und nicht wieder kommen, weil es sich nicht lohnt, zweimal im Leben in Heiligendamm gewesen zu sein – außer vielleicht im Grand Hotel oder der Median-Klinik. Auch die Stadt zählt am Ende zu den Dummen, denn schlimmstenfalls addiert sie zu den bestehenden alten Ruinen eine neue dazu.

Wer allerdings meint, Investoren sollen sich mit weniger zufrieden geben und eigene Vorstellungen zu Gunsten der Wunschliste der Stadt aufgeben und wer Schotterparkplätze, Imbissbuden und illegale Ferienwohnungen als Errungenschaft ansieht und die Zukunft Heiligendamms mit der Anschaffung einer Badeinsel und dem Bau eines Sani-Häuschens als gerettet ansieht, dem mag all das egal sein. Der hat Heiligendamm längst aufgegeben und versucht nun, Geld zu holen, wo noch Geld zu holen ist: Bei den Dummen.

 

Gäste werden abgezockt

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Symbolträchtig: Schilder zeigen dem Gast an, wo er sein Geld zu lassen hat.

Dreihunderttausend Tagesgäste sollen den Statistiken zu Folge jährlich nach Heiligendamm kommen.

Wie man sie zählt, sei hinterfragt, denn die Kurtaxe der ganzen Stadt liegt sogar noch weit unter der Zahl der Tagesgäste. Wichtiger jedoch ist die Erkenntnis, was diese Massen an Leuten für Geld hier lassen könnten, wenn sie denn könnten.


Wenn der Gast nach Heiligendamm kommt, steht erst einmal „Automaten-Hopping“ an: 50 Cent pro Stunde in den Parkscheinautomaten, 1-2 Euro in den Kurtaxautomaten und dann kann es los gehen: Promenade und Seebrücke rauf und wieder runter, ein Eis im Eiscafé oder auf der Terrasse essen, oder Kaffee und Kuchen auf dem Seebrückenplatz, vielleicht noch Wurst, Pommes, Fisch oder einen Espresso an der Seedeichstraße und dann ein wenig am Strand spazieren, die Parkuhr im Hinterkopf. Wer in die zweite Reihe findet, trifft auch auf ein paar Gaststätten, aber einen Branchenmix, eine Bummelmeile, dieses Von-Haus-zu-Haus-ziehen gibt es in Heiligendamm nicht.

Was da ist, ist billig, saisonal begrenzt, vom Wetter abhängig und eigentlich eher für Badegäste interessant. Wer beim ältesten deutschen Seebad ein mondänes gestandenes Seebad mit traditioneller Infrastruktur und traditionsreichen Einrichtungen erwartet, Boutiquen und Shops, Galerien und Kunsthäuser, besondere Gastronomie oder einzigartige Erlebnisse, der wird enttäuscht und so schnell nicht wieder zu den Gästen zählen.

Vielleicht setzt man deshalb wie in der Nachbarschaft auf Ferienwohnungen, die an einfache Leute verkauft werden, die dann zusehen müssen, wie sie ihre Ferienwohnungen dauerhaft und rentabel vermietet kriegen.  

 

 

Martin DostalHintergründeDer Traum vom mondänen Seebad im Bad Doberaner Stadtteil Heiligendamm - er wird seit Monaten systematisch zerstört. Ein Strandzentrum sollte an der Kurve der Seedeichstraße gleich hinter dem Deich entstehen. Von einem Pavillon war jahrelang die Rede, hier sollte Gerhard Butzes 'Bistro am Strand' eine neue Bleibe finden, hier...Sommerfrische seit 1793  |  Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Bad Doberan-Heiligendamm