Historisches Logierhaus von 1855/ 1856 wird behutsam nach modernsten Methoden in Stand gesetzt/ Architektonische Einzigartigkeit und Vielfalt der Perlenkette wird immer mehr sichtbar

Heiligendamm, den 10.05.2017. Die Sanierung der Heiligendammer Strandvillen schreitet zügig voran:

Jetzt beginnt die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) mit der dritten „Perle“ der
Perlenkette, der „Villa Möwe“. Die ECH bringt das historische Logierhaus von 1855 nach modernsten
Methoden auf den neuesten Stand der Technik – und zwar originalgetreu und denkmalgerecht. Dabei
entstehen in der Strandvilla, die bewusst Anleihen an der alpenländischen Architektur nimmt, sechs
exklusive Eigentumswohnungen von 120 bis 135 Quadratmetern Größe sowie sechs Gästestudios, die
höchsten Ansprüchen genügen. Ein Stück Alpenland am Ostseestrand – natürlich mit direktem Blick
aufs Meer.


„Wie schon das Nachbarhaus, die ´Villa Greif´, so sanieren wir auch die `Villa Möwe´ im Bestand. Das
erfordert viel Akribie, Maßarbeit und Handwerkskunst“, erläutert ECH-Geschäftsführer Heiner
Zimmermann. Soweit alles nach Plan verläuft, sind Rohbau-, Dach- und Kellerarbeiten im August 2018
abgeschlossen; die schlüsselfertige Übergabe an die neuen Bewohner ist für März 2019 vorgesehen.
Die behutsame Instandsetzung der „Villa Möwe“ kommt nicht nur äußerlich einer fast vollständigen
Wandlung gleich, weil die zwischenzeitlichen baulichen Veränderungen so erheblich waren, dass vom
einstigen Charme nichts mehr übrig blieb. So fehlen etwa die hölzernen Balkone wie auch die beiden
Turmbauten und sämtliche Schmuckelemente. „Ob Laie oder Fachmann – man wird die `Villa Möwe´
nicht mehr wiedererkennen, wenn der letzte Handwerker die Baustelle verlässt. Staunen und Freude
werden groß sein über die Wiedergeburt dieses einmaligen Originals“, ist sich ECH-Projektleiter Klaus
Klingler, der die Arbeiten auch an dieser Strandvilla für die ECH verantwortet, sicher.
Zur Geschichte der „Villa Möwe“


Staunen werden viele Beobachter u.a. wegen der Anleihen an die alpenländische Architektur direkt an
der Ostseeküste, die die Menschen schon Mitte des 19. Jahrhunderts überrascht wie begeistert hat. Sie
geht auf Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin zurück, der sich Vielfalt wünschte,
als er die Logierhäuser errichten ließ. Und so nahm sich mit A. Rathsagg ein neuer Architekt mit neuen
Ideen der Aufgabe an, neben der „Villa Greif“ ein weiteres Logierhaus zu bauen.
Der Baumeister ließ sich vom damals aufkommenden Hochgebirgstourismus inspirieren und suchte
seine Vorbilder daher nicht mehr allein in der italienischen Renaissance, sondern wandte sich den
populär gewordenen alpenländischen Landhäusern zu. Dort prägt der Holzbau, abgeleitet aus der
Volksarchitektur, das Erscheinungsbild vergleichbarer Gebäude.

Rathsagg kopierte die ländliche Volksarchitektur aber nicht einfach. Vielmehr übernahm er nur
bestimmte Formcharakteristika – etwa den flachen Giebel oder die lang gestreckten Balkone und
Holzverzierungen. Bei der „Villa Möwe“ überspannten filigrane Holzornamente die Giebel und Balkone
des Doppelgiebelhauses. Die Turmaufbauten zeigten bewusst ihre Fachwerkskonstruktion.
So verwundert es nicht, dass – inspiriert von der „Villa Möwe“ – in den aufstrebenden Badeorten bald
ähnliche Bauten an der gesamten Ostseeküste entstanden. Sie zählt bauhistorisch zu den ersten
großartigen Beispielen ihrer Art – und wird es nach Sanierung auch realiter wieder sein.

 

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