Die Villa „Großfürstin Marie – Perle“ erstrahlt bereits im neuen Glanz und für die Villa „Greif“ nebenan wurde heute Richtfest gefeiert. Wie schon beim ersten Spatenstich für das Grand Hotel vor 20 Jahren regnete es auch heute in Strömen oder – wie Julius Jagdfeld seinen Vater zitierte „weinte der Himmel Freudentränen“.

Freude war auch das, was ich heute empfand. War das Richtfest für die neu wieder aufgebaute „Großfürstin Marie – Perle“ schon ein freudiges Ereignis, war dieses Richtfest es noch mehr.

Warum?
Zum einen, weil die „Perle“ zwar originalgetreu, aber ein Neubau ist und man darin nichts altes findet und der Neubau nach dem Abriss einfach ein Muss war, also obligatorisch.

Zum anderen, weil selbst all jene, die von der Vision Robert A. M. Sterns und dem Konzept der FUNDUS-Gruppe und den Plänen der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm überzeugt sind, in den letzten fünf Jahren einfach zweifeln mussten, dass aus alle dem jemals was wird. Als Stadtführer fiel es mir nach der Hotel-Insolvenz 2012 und auch nach dem Wechsel des Eigentümers 2013 schwer, die Gäste davon zu überzeugen, dass die Perlenkette jemals fertig gestellt wird. Als Journalist und als ZAM-Autor konnte ich die Energie auf das Umfeld und damit die Verantwortung anderer für die Stadt zuständiger Leute und Institutionen lenken – Verwaltung, Behörden, Politiker.

Aber für einen Moment hatte ich wirklich den Glauben an die Zukunft Heiligendamms verloren.
Von einer Mediation hielt ich nichts – mein Rat war, die Stadt und den Landkreis mit Klagen zu überhäufen und endlich Rechtssicherheit zu bekommen. Wahrscheinlich hätte das Jahre gedauert und vor Gericht und auf hoher See… Nein, die Mediation war richtig.

Und dann kamen die sichtbaren Zeichen, die man so nötig brauchte: Sanierungsbeginn für Villa „Greif“, Baubeginn für Villa „Möwe“ und all das mit einer erfolgreichen Vermarktung: 100% der Wohnungen in der „Großfürstin Marie – Perle“ sind verkauft, 80% in der „Greif“ und schon 20% in der „Möwe“. Und es geht jetzt schon weiter: Villa „Seestern“ und die Kolonnaden sind in Vorbereitung. Bis 2020 soll die Perlenkette fertig sein – bei dem Tempo schafft die ECH das schon eher.

Vieles davon ist der Mediation zu verdanken, denn nachdem die Gegner Jagdfelds auch die Ergebnisse dieser zu revidieren versuchten und damit scheiterten und auch der neue Hotel-Eigentümer klar machte, dass er solche Spielchen nicht mit sich machen lässt und nachdem ein Personalwechsel in einer Lokalzeitung dazu führte, dass diese das Dauerfeuer auf Heiligendamm einstellte und nachdem auch die Bevölkerung keine Lust mehr auf die ewigen politischen Macht- und Rachespielchen hatte, überwog die positive Stimmung, die auch vorher schon da war, aber stets von negativen Berichten überschattet wurde. Mit schlechten Nachrichten lässt sich gutes Geld verdienen und wenn man keine hat, sucht man sich welche. Vielleicht war genau das in Heiligendamm auch schon ausgeschlachtet – keiner wollte die alte Leier mehr hören.

Aber auch der Markt hat sich verändert. Ringsum sind massenhaft Ferienwohnungen entstanden – ganze Rollladensiedlungen, wie in Börgerende und Teilen Kühlungsborns und Reriks. Nicht alles davon ist hochwertig (sogar erschreckend vieles nicht), aber alles zusammen trägt dazu bei, dass die Region bekannter bei Privatanlegern wird.

Inzwischen ist ein Markt entstanden, den es 1997, als der als Bewerber quasi übrig gebliebene Immobilieninvestor Jagdfeld das Paket Heiligendamm von der Treuhand kaufte, noch gar nicht gab. Und die hochwertigen Wohnungen in Heiligendamm bedienen eine echte Marktlücke: Die meisten in den letzten Jahren entstandenen Ferienwohnungen sind reine Anlageobjekte und viele von ihnen dürfen gar nicht selbst bewohnt werden. In Heiligendamm sind dagegen in erster Reihe direkt am Strand – so direkt, wie es woanders gar nicht geht – erstklassige Wohnungen entstanden, die vom Erwerber bewohnt werden dürfen, wann immer und wie lange er will. Die Perlen-Wohnungen sind keine Ferienwohnungen, sondern echte Wohnungen – Residenzen eben. Dass man von der AfA-Abschreibung profitieren kann und das Eigentum Teil eines historischen Ensembles ist, Teil der Weißen Stadt am Meer, Teil des ersten deutschen Seebades und damit die Erwerber Teil der Wiederauferstehung einer – wie Jagdfeld es nennt – „Legende mit Zukunft“ – das ist eigentlich „nur“ ein schöner Nebeneffekt.

Da stand ich nun also heute unter den Kolonnaden mit einem Häufchen Leuten, mit denen ich auch schon beim ersten Spatenstich und dem Richtfest für Villa „Großfürstin Marie – Perle“ zusammen stand. Geladen waren alle Stadtvertreter, gekommen sind dieselben wie immer und keiner von denen, die jahrelang angeblich für den Erhalt Heiligendamms und seiner Gebäude gekämpft haben und diesen jetzt feiern hätten können – jetzt noch mehr, als bei der „Großfürstin Marie – Perle“, denn jetzt wird im Bestand saniert.

Keiner? Doch, es kamen zwei ehemalige Bürgerbund-Mitglieder: Karin Schwede und Ulrich Ludwig, die beide für das Mediations-Ergebnis stimmten und sich damit und schließlich auch formal von der Bürgerbund-Fraktion verabschiedeten. Sie feierten mit denen, gegen die sie vormals nicht weniger vehement vorgingen, als die Gründerväter- und Mütter des Bürgerbundes und der sich daraus abgespaltenen „Unabhängigen Doberaner Initiative“ (UDI). Ich finde, diese beiden Stadtvertreter haben Charakter.

Ich möchte Sie teilhaben lassen an der Feier, zu der nicht jeder eingeladen war, die aber mit über 100 Zusagen von regem Interesse zeugte. Heute war ich nicht der Journalist, habe zwar mit für meine Verhältnisse vielen Menschen gesprochen, aber nichts davon wird in der Zeitung stehen. Heute haben mich alle als den angenommen, der ich eigentlich bin – der Heiligendamm-Freund. Und als dieser wollte ich natürlich keine Gesichter vor der Linse haben, sondern dieses alte neue Stück Heiligendamm.

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Martin Dostal2017Die Villa 'Großfürstin Marie - Perle' erstrahlt bereits im neuen Glanz und für die Villa 'Greif' nebenan wurde heute Richtfest gefeiert. Wie schon beim ersten Spatenstich für das Grand Hotel vor 20 Jahren regnete es auch heute in Strömen oder - wie Julius Jagdfeld seinen Vater zitierte 'weinte der...Sommerfrische seit 1793  |  Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Bad Doberan-Heiligendamm